Berlin - Geld für die Brille – zahlt die Kasse doch nur in Ausnahmefällen? Stimmt nicht. Wer sich auskennt, kann für Brillengläser oder Kontaktlinsen einen Zuschuss von 80 Euro oder mehr bekommen. Die Stiftung Warentest hat Beitragssätze und Extraleistungen von 71 Krankenkassen unter die Lupe genommen und zeigt, was Versicherte alles mitnehmen können. Die untersuchten Krankenkassen umfassen etwa 98 Prozent aller gesetzlich Versicherten.
Viele Kassen, etwa Bergische Krankenkasse, DAK Gesundheit, Mobil Krankenkasse oder TK, bieten dieses Extra im Bonusprogramm an, bei dem Versicherte für gesundheitsbewusstes Verhalten belohnt werden. Versicherte wissen das oft nicht und verzichten auf Geld, obwohl sie Nachweise für die Bonuspunkte oft einfach per App einreichen können. Kaum verwunderlich, denn das Angebot an Leistungen, die Kassen zusätzlich zum gesetzlich festgelegten Umfang anbieten, ist nicht übersichtlich und von Kasse zu Kasse verschieden.
Für jeden etwas dabei
Erfreulich: Obwohl die angespannte Finanzlage der Krankenkassen immer wieder ein Thema in den Medien ist, sparen sie bisher nicht bei ihren Zusatzangeboten. Die meisten Krankenkassen haben ihre Extraleistungen unverändert gelassen. Auch die Beitragssätze sind derzeit stabil. Finden Versicherte eine bestimmte Zusatzleistung bei ihrer Kasse nicht, lohnt es sich oftmals, aktiv nachzufragen. Es gibt bestimmt für jeden etwas, das er oder sie nutzen kann.
Kasse kürzt fast alle Extras
Ausnahme im Test ist die IKK – Die Innovationskasse. Seit Juli müssen die knapp 268 000 Versicherten auf fast alle Extraleistungen verzichten. Auf die Frage nach den Gründen konnte die bundesweit tätige Innungskrankenkasse gegenüber den Testern noch keine Aussage treffen. Am Beitragssatz hat die IKK – Die Innovationskasse nicht geschraubt. Er liegt weiterhin bei 16,20 Prozent.
Gesetzliche Krankenkassen unterscheiden sich nicht nur in ihren Extraangeboten, sondern auch im Beitragssatz. Er besteht aus zwei Teilen: Der allgemeine Beitragssatz beträgt per Gesetz derzeit 14,60 Prozent bei allen Krankenkassen. Dazukommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag. Je nach finanzieller Situation verlangt die Krankenkasse einen niedrigen Zusatzbeitrag oder muss ihn erhöhen.
Drei Kassen sehr günstig
Die günstigsten Krankenkassen, die im gesamten Bundesgebiet allen Versicherten offenstehen, sind die BKK Firmus und die BKK Gildemeister Seidensticker mit einem Beitragssatz von insgesamt 15,50 Prozent. Bislang führte die bundesweite hkk die Rangliste an. Sie rutschte nach ihrer Beitragserhöhung im Januar allerdings auf den dritten Platz ab. Ihr Beitragssatz ist mit 15,58 Prozent aber nur unwesentlich höher. Noch preiswerter sind Kassen, die nur in wenigen Bundesländern geöffnet sind. Die teuersten bundesweiten Kassen sind die BKK VBU mit einem Beitragssatz von 16,40 Prozent, gefolgt von BKK24 mit 16,39 Prozent und Bahn BKK, DAK Gesundheit sowie Pronova BKK mit je 16,30 Prozent.
Geht es Versicherten vor allem um einen günstigen Beitragssatz, bringt der Wechsel von einer teureren zu einer preiswerteren Kasse einiges. Die Ersparnis ist abhängig vom Einkommen. Besonders lohnend ist der Wechsel für Selbstständige, die freiwillig gesetzlich kran-kenversichert sind. Da sie die Beiträge allein zahlen, sparen sie doppelt so viel wie Angestellte.
Zusatzleistungen helfen
Auch die Extras können viel Geld wert sein. Bietet die Krankenkasse hier Zuschüsse, müssen Versicherte etwa für Reiseimpfungen je nach Urlaubsland und Empfehlungen der Impfkommission mehrere Hundert Euro nicht selbst bezahlen. Auch Geld für Gesundheitskurse wie Yoga, Tai-Chi oder Pilates, ein Zuschuss zum Fitnessstudio oder zum Schwimmkurs sind gut gespartes Geld, wenn die Kasse sie gewährt.
