Berlin - Kinder-Smartwatches sollen Kinder für ihre Eltern erreichbar machen – ohne Smartphone. Und die Kinder ziehen mit, Belohnungsprogramme und ein gewisser Gruppendruck machen die Uhren interessant. Aber halten die Gadgets, was sie ver-sprechen: Sicherheit für die Eltern und Spaß für das Kind?
Von 147 bis 189 Euro
Stiftung Warentest hat acht Smartwatches für Kinder getestet. Alle mit Mobilfunk und GPS-Empfänger, davon sieben mit Telefonfunktion und eine ohne. Die preisgünstigste gute Uhr von TCL kostet 147 Euro. Die Testsieger sind teurer, 189 Euro kostet die Xplora X6Play, 180 Euro die Garmin Bounce ohne Telefonfunktion. Wichtig zu wissen: Dazukommen monatliche Kosten für die Mobilfunkverbindung, im Schnitt etwa 10 Euro.
Tipp: Kombiangebote aus günstiger Uhr und festem Tarif können langfristig teuer werden.
Das können die Uhren
Wichtigste Funktion für besorgte Eltern ist wohl die Ortung ihres Kindes – und die Möglichkeit, im Notfall schnell Hilfe zu rufen. Alle Kinder-Smartwatches im Test haben eine GPS-Funktion zur Standortbestimmung. Per SOS-Funktion kann das Kind im Notfall eine Nachricht an die Eltern oder andere Notfallkontakte absetzen. Für Kinder zählen eher coole Funktionen: Schrittzähler und Belohnungsprogramme.
Das können die Uhren nicht
Apps wie WhatsApp, TikTok und YouTube fehlen auf den Uhren. Das gehört zum Konzept. Auch eigene Textnachrichten können die Kinder mit ihnen nicht schreiben. Wenn überhaupt, lassen sich vom Anbieter vorgefertigte Texte verschicken. Bei Garmin und TCL können Eltern diese Texte in der Eltern-App anpassen.
Drei Uhren zeigten deutliche Mängel: Bei der Bea-fon können Eltern per App heimlich die Kamera auslösen – ein Signal gibt die Uhr dabei nicht. Wir halten das für bedenklich. Bei Soymomo und Technaxx fanden wir in hautberührenden Teilen Nickel oberhalb des gesetzlichen Grenzwertes. Nickel kann allergische Hautreaktionen verursachen.
Wie gut ist das Tracking
Die Ortung ist weniger genau, als viele Eltern sich das wünschen. Bei drei Uhren bewerteten wir sie nur mit Ausreichend, bei einer mit Mangelhaft. Am besten klappt die Ortung im Freien, wenn die Uhren ein starkes GPS-Signal empfangen. Schon eine Häuserschlucht kann Probleme machen. Nur bei Garmin und TCL funktioniert die Ortung insgesamt gut. All zu sehr sollten sich Eltern aber auf das Tracking nicht verlassen.
Nicht zu enge Grenzen
Mit der Geofencing-Funktion können Eltern Bereiche festlegen, in denen sich ihr Kind aufhalten darf. Die meisten Uhren orientieren sich dabei an der GPS-Position.
Verlässt das Kind den „erlaubten“ Bereich, meldet sich die Eltern-App mit einem Warnhinweis. Allzu eng sollte man diese virtuellen Zäune aber nicht ziehen – mögliche Fehlalarme bringen eher Stress und nicht mehr Sicherheit.
Tipp: Bei Anio, Bea-fon und Technaxx lässt sich die Ortungsfunktion in der Eltern-App auch abschalten.
Kein Notruf ist perfekt
Keine Uhr hat eine perfekte SOS-Funktion. Zwar telefonieren sie zuverlässig die vorgegebene Rufnummernliste ab, bis jemand antwortet – können aber nicht erkennen, ob ein Mensch oder eine Mailbox dran ist. So kann der Notruf leicht ins Leere gehen. Immerhin informieren die Uhren noch per Pushnachricht in der Eltern-App, aber auch die kann unbemerkt bleiben. Garmin verschickt im Notfall nur Push-Nachrichten.
Tipp: Schalten Sie die Mailbox der ersten Notrufnummer ab, damit die Telefonkette im Notfall nicht unterbrochen wird.
