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NWZonline.de Ratgeber Stiftung Warentest

Kinderwagen: Gefährliche Flammschutzmittel in Griffen

06.03.2017

Berlin Die zwölf getesteten Kombi-Kinderwagen sollen sich für den Transport vom Säugling bis zum Kleinkind eignen – wären da nicht die Schadstoffe. Vier Kombis sind deutlich mit Schadstoffen belastet, darunter der 1080 Euro teure Bugaboo. Andere Wagen können kippen oder sind unbequem. In immerhin drei Modellen fährt der Nachwuchs sicher und gut.

Die Kultmarke Bugaboo wirbt für neue Griffe aus Kunstleder: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir ab Oktober 2016 Schiebe- und Tragebügel im Lederlook für alle Standardmodelle (...) anbieten werden. Nun kann jeder die sanfte Fahrt und das luxuriöse Handling genießen, für das unsere Kinderwagen so berühmt sind.“ Ausgerechnet in diesen Kindergriffen fanden wir deutliche Mengen Tris-Dichlorpropylphosphat (TDCPP) – ein Flammschutzmittel, das vermutlich Krebs erzeugen kann.

Strenge Grenzwerte

Kinder halten sich an Griffen fest und lutschen daran. Daher legt die Stiftung Warentest bei Tests von Kinderwagen für Materialien, die vom Kind erreichbar sind, in der Regel dieselben strengen Grenzwerte an wie für Kleinkinderspielzeug. Der Kindergriff des Bugaboo übersteigt den Grenzwert für TDCPP um ein Vielfaches. Der Wagen ist mangelhaft.

In den Griffen des Teutonia fanden die Tester deutliche Mengen Naphthalin. Der Schadstoff zählt zu den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Er kann vermutlich Krebs erzeugen. Besorgte Eltern sollten die Griffe entfernen oder überkleben.

Der Bergsteiger enthält einen Cocktail verschiedener Schadstoffe. Im Kindergriff sowie in der Regenhaube wiesen die Tester Naphthalin nach. Im Schiebegriff fanden sie deutliche Mengen der Weichmacher DEHP und DINP, sowie im Kindergriff deutliche Mengen DINP. Die Weichmacher können ausdünsten, sich durch Speichel und Schweiß lösen. DEHP kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen.

In den Griffen des Knorr-Baby fanden die Tester ebenfalls deutliche Mengen Naphthalin sowie erhöhte Mengen DEHP. Außerdem wiesen sie in den Textilien deutliche Mengen des Flammschutzmittels TCPP nach. Die EU hat einen Grenzwert für TCPP in Kleinkinderspielzeug festgelegt, weil es Bedenken hinsichtlich des krebserzeugenden Potenzials gibt.

Gesundheitsschädliche Substanzen sind nicht das einzige Risiko. Am Knorr-Baby können Eltern einen gefährlichen Fehler begehen: Um den Sitz korrekt zu befestigen, müssen sie vier Metallstifte ins Fahrgestell einklinken. Sie hören jedoch ein deutliches Einrasten, auch wenn nur zwei Stifte eingesetzt werden. So kann der falsche Eindruck entstehen, der Aufsatz sitze fest. Er kippt jedoch – unter Umständen erst, nachdem das Kleinkind hineingesetzt wurde.

Kostenloses Nachrüstset

Ist der Aufsatz in Fahrtrichtung eingesetzt, kann ein nicht angeschnalltes Kind nach hinten aus dem Wagen fallen. Ist er rückwärts montiert, kann sich das Kind die Arme quetschen.

Die Stiftung Warentest hat die Marktaufsicht des fränkischen Anbieters verständigt. Diese Behörde mit Sitz in Nürnberg entscheidet, ob der Wagen so weiterhin vertrieben werden darf. Knorr-Baby kündigte inzwischen an, die Konstruktion ab der nächsten Produktion mit einer Kippsperre zu versehen. Im Handelsblatt versprach Geschäftsführer Peter Hotz obendrein: „Alle bestehenden Kunden bekommen von uns ein kostenloses Nachrüstset.“

Die Stiftung Warentest bat die Anbieter der vier deutlich schadstoffbelasteten Wagen um Stellungnahme. Bis Redaktionsschluss ließen alle offen, ob sie ihren Kunden etwas Konkretes anbieten. Neben diesen mangelhaften Modellen bestanden immerhin drei Kinderwagen den Test mit guten Qualitätsurteilen.

->  Kindgerecht gestaltet und einfach zu handhaben ist Britax Go Big („test“, 3/17). Nur in ihm fahren Kinder von der Geburt bis 3,5 Jahre bequem. Er kostet aber 995 Euro. Für 600 Euro ist dagegen der Condor 4 von ABC Design zu haben. Nachteile: Sein Sitzwinkel lässt sich nicht verändern, die Schieberhöhe eignet sich für kleine und mittelgroße, weniger für große Eltern. Joolz Geo Earth für 1000 Euro schneidet auch gut ab.

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