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Hurrikan "Matthew": Hunderte Todesopfer in Haiti befürchtet

07.10.2016

Port-au-Prince (dpa) - Nach dem schweren Hurrikan "Matthew" in Haiti befürchten Behörden und Rettungskräfte dort Hunderte Todesopfer. Die Hilfsorganisation Care nannte am Freitag unter Berufung auf das Innenministerium die Zahl von 478 Toten.

Allein im besonders stark betroffenen Department Sud seien 283 Menschen getötet worden, berichtete der Radiosender Metropole unter Berufung auf den örtlichen Zivilschutz. Die Nationale Katastrophenschutzbehörde hatte am Donnerstagmittag (Ortszeit) 108 Todesopfer bestätigt und seither keine offizielle Mitteilung mehr herausgegeben. In verschiedenen Medienberichten war teils von deutlich höheren Opferzahlen die Rede.

Vor allem im Südwesten des armen Karibikstaates war die Situation dramatisch. In der Stadt Jérémie seien 80 Prozent der Häuser zerstört oder beschädigt, sagte Care-Mitarbeiterin Holly Frew am Freitag. "Wir haben mit Leuten gesprochen, die alles verloren haben." Die Region war noch immer weitgehend vom Rest des Landes abgeschnitten. Frew rechnete damit, dass die Opferzahl noch weiter steigen dürfte.

Auf Fotos der UN-Blauhelmmission Minustah war zu sehen, dass große Gebiete vollständig unter Wasser standen. In anderen Regionen stürzten zahlreiche Bäume um, die Dächer der Häuser waren abgedeckt. Die Blauhelmsoldaten halfen bei den Aufräumarbeiten.

In Jérémie herrschte große Verzweiflung. Menschen liefen durch die mit Schutt und Schlamm bedeckten Straßen und suchten nach ihren Angehörigen. "Der Sturm hat die Menschen in einen Zustand des Schocks und der Verzweiflung versetzt", berichtete der Care-Mitarbeiter Patricl Louis am Freitag aus der Hauptstadt des Departements Grand'Anse. "Sie haben nicht nur ihre Häuser und ihre Ernte verloren, sondern oft auch Familienmitglieder. Sie sind in Trauer."

Das Welternährungsprogramm brachte Lebensmittel in die Region. Die UN-Organisation hatte zuvor Nahrungsmittel für bis zu 300 000 Menschen für einen Monat in Haiti eingelagert. Personal und Güter wurden per Hubschrauber in das Katastrophengebiet geflogen.

Der Zugang zu den ländlichen Regionen im Südwesten gestaltete sich allerdings schwierig. "Die große Herausforderung ist, zu den Dörfern in den Bergen zu kommen", sagte Länderdirektor Carlos Veloso. "Der Zugang ist sonst schon nicht leicht und nach dem Hurrikan wird es noch schwerer werden."

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