Rastede - Das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Ammerländer Vize-Landrat Torsten Wilters ist mit Zustimmung des Amtsgerichts Westerstede gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig eingestellt worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft in Oldenburg am Dienstag auf Anfrage der NWZ.

Das Verfahren sei gemäß Paragraf 153a der Strafprozessordnung eingestellt worden, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Dieser besagt, dass die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung des für die Eröffnung des Hauptverfahrens zuständigen Gerichts und des Beschuldigten bei einem Vergehen vorläufig von der Erhebung der öffentlichen Klage absehen und zugleich dem Beschuldigten Auflagen und Weisungen erteilen kann, wenn diese geeignet sind, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen, und die Schwere der Schuld nicht entgegensteht.

Wilters bestätigte auf Anfrage der NWZ, dass das Verfahren eingestellt worden sei. Eine Schuldfeststellung sei mit der Einstellung des Verfahrens nicht verbunden, ließ Wilters mitteilen. Die Angelegenheit sei für ihn damit erledigt.

Dass das strafrechtliche Verfahren jetzt gegen die Zahlung der Geldauflage eingestellt wurde, heißt derweil nicht, dass auf zivilrechtlichem Wege nicht noch ein Verfahren folgen könnte.

Worum geht es bei der Affäre? Nach NWZ-Informationen soll Wilters im Internet Kontaktanzeigen für ein anderes Parteimitglied angelegt haben. Zuschriften liefen bei ihm auf. Teilweise soll er dann (unter der falschen Identität) geantwortet haben und auch Kontaktdaten des anderen Mitgliedes herausgegeben haben. Das andere CDU-Mitglied wunderte sich über die plötzlichen und merkwürdigen Kontakte und erstattete schließlich Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei. Die Ermittler kamen dann sehr schnell auf die Spur von Torsten Wilters. Es fanden Hausdurchsuchungen statt, die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf.

Zwischenzeitlich soll Wilters die Kontaktanzeige im Internet wieder gelöscht haben. Auch soll es eine Entschuldigung bei dem betroffenen CDU-Mitglied (hier handelt es sich übrigens nicht um den Bürgermeisterkandidaten Alexander von Essen) gegeben haben.

Anfang April waren die Vorwürfe öffentlich bekannt geworden. Wilters gab in der Folge seine politischen Ämter als Vize-Landrat im Ammerland und als stellvertretender Bürgermeister in Rastede ab. CDU-Kreisvorsitzender Jens Nacke und Kreistagsfraktionschefin Maria Bruns hatten damals von „persönlichem Fehlverhalten, das eine weitere politische Zusammenarbeit nicht mehr möglich macht“ gesprochen.

Wilters räumte seinerzeit ein: „Ich habe einen Riesenfehler begangen, den ich sehr bereue und nicht wieder gutmachen kann.“ Ihm sei klar, dass er jetzt viele Menschen enttäuscht habe. Das mache ihn sehr betroffen.

2001 war Wilters erstmals in den Rasteder Rat gewählt worden. Von 2006 bis Ende 2018 war er Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes in Rastede. Nach der Niederlage in der parteiinternen Kampfabstimmung gegen den Bürgermeisterkandidaten Alexander von Essen gab er im November den Vorsitz des Gemeindeverbandes ab.

Stellvertretender Bürgermeister wurde er 2011, Vize-Landrat 2016. Während Wilters alle politischen Ämter in der Folge der Affäre abgegeben hatte, blieb er weiter Vorsitzender des Vereins Rasteder Musiktage.

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede