Wangerooge/Harlesiel - Nach dem Polizeieinsatz in Harlsesiel und auf Wangerooge am Samstag bestätigen die Staatsanwaltschaft Kassel und das Hessische Landeskriminalamt nun einen Zusammenhang zu den Ermittlungen der Sonderkommission „Liemecke“ im Fall Walter Lübcke. Der Kasseler Regierungspräsident war am 2. Juni durch eine Schusswaffe getötet worden.
Bei dem Einsatz in Harlesiel und auf Wangerooge sei eine Person in Gewahrsam genommen worden. Der Mann wurde zur Befragung in das Polizeipräsidium Nordhessen nach Kassel gebracht. Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung ergaben sich laut Polizei nicht, heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Darum sei der festgenommene Mann in den frühen Sonntagmorgenstunden wieder entlassen worden. Aus polizeitaktischen Gründen und zum Schutze der Person will die Polizei keine weiteren Details mitteilen.
Während des Einsatzes am Samstag bis 17.30 Uhr wurde der Fährverkehr zwischen der Nordseeinsel und dem Festland stundenlang eingestellt. Zeugen berichteten zunächst, dass schwer bewaffnete SEK-Beamte drei Personen auf einer Fähre in Harlesiel festgenommen hätten – zwei Männer und eine Frau, hieß es. Die Polizei spricht am Dienstag von nur einer Festnahme.
Bereits am Montag gab es Vermutungen, dass der Einsatz in Zusammenhang mit den Ermittlungen nach dem Tötungsfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke steht. Die Staatsanwaltschaft in Kassel hatte weitere Informationen für Dienstag in Aussicht gestellt. Die Polizei Wilhelmshaven bestätigte allerdings schon am Samstagabend, dass die „polizeilichen Maßnahmen, bei denen Kräfte aus Niedersachsen eingesetzt waren“, für ein anderes Bundesland stattfanden. Lübcke war am 2. Juni im Stadtteil Istha von Wolfhagen in Hessen durch eine Schusswaffe getötet worden.
Der Fall Walter Lübke
Im Fall Lübcke gehen die Ermittler inzwischen knapp 200 Hinweisen nach. Ob sich darunter eine heiße Spur befindet, ist bislang unklar. „Wir ermitteln in alle Richtungen, alles andere ist Spekulation“, sagte der Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes (LKA), Christoph Schulte, am Dienstag. Die mittlerweile 187 eingegangenen Hinweise würden nun abgearbeitet.
Viele Spekulationen nach SEK-Einsatz
Ein Sprecher des LKA Niedersachsen hatte noch am späten Samstagabend Gerüchten widersprochen, wonach es sich bei den auf der Fähre Festgenommenen um die drei gesuchten RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette handelt. Die Polizei in Wilhelmshaven teilte am Samstag auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Aus ermittlungstaktischen Gründen und um das laufende Verfahren nicht zu gefährden, können aktuell keine weiteren Auskünfte erteilt werden.“
Spezialbeamte und Hubschrauber im Einsatz
Ein Hubschrauber kreiste während des Einsatzes für längere Zeit über der Nordseeinsel. Insgesamt sollen rund 30 Beamte im Einsatz gewesen sein. Der Fährverkehr zwischen Harlsesiel und Wangerooge wurde – offenbar auf behördliche Anordnung – gegen 14.30 Uhr eingestellt. Auf Twitter berichteten Nutzer von langen Wartezeiten am Fähranleger. Demnach mussten Passagiere ein Schiff verlassen, zuvor hätte es Ansagen gegeben, dass sich die Abfahrt „aus betrieblichen Gründen“ verzögern würde. Weitere Informationen konnte das Personal demnach nicht machen. Urlauber beschwerten sich über fehlende Informationen.
Traditionell reisen Tausende Besucher über die Pfingsttage an die Nordseeküste und auf die Nordseeinseln. Bei An- und Abreise kam es aufgrund des Einsatzes zu massiven Behinderungen.

