Köln/Belgrad - Novak Djokovic statt Oliver Pocher, Centre Court statt Pokertisch: Boris Becker kehrt zurück auf die Bühne, die er einst beherrschte wie kein Zweiter. Als Trainer des Weltranglisten-Zweiten Djokovic (26) soll der dreimalige Wimbledonsieger endlich wieder in seinem ureigenen Metier für Furore sorgen.
„Ich bin stolz, dass Novak mich eingeladen hat, sein Trainer zu werden“, meinte Becker, der nach seinem Karriereende 1999 vor allem mit seinem Privatleben für Aufsehen gesorgt hatte. Der Serbe Djokovic bezeichnete Becker „als wahre Legende“ und erhofft sich vom 46-Jährigen die entscheidenden Impulse im Kampf um den Tennis-Thron mit dem Spanier Rafael Nadal: „Mit seiner Erfahrung wird er mir helfen, neue Trophäen zu gewinnen.“
Michael Stich zeigte sich überrascht. „Oha! Toi toi toi! Das ist eine interessante Konstellation, ich hatte keinen Schimmer davon“, sagte Beckers langjähriger Rivale. Stich kann sich allerdings „nicht vorstellen, dass er künftig 30 Wochen im Jahr unterwegs ist. Aber Novak wird sich dabei etwas gedacht haben.“
Becker wird Djokovics Trainerteam um Marian Vajda als Chefcoach anführen, Vajda bleibt aber auch im achten Jahr an der Seite von Djokovic – als zweiter Trainer. Wahrscheinlich ist, dass Becker vor allem für das Mentaltraining zuständig sein wird. „Große Matches werden immer im Kopf entschieden“, sagt Rainer Schüttler, 2003 bei den Australian Open bis dato letzter deutscher Grand-Slam-Finalist: „Und in der Hinsicht war Becker unübertroffen.“
Beckers einzige Erfahrung im Bereich Coaching stammt aus den 90er Jahren. Zwischen 1997 und 1999 war er Davis-Cup-Teamchef, doch die Arbeit auf dem Platz überließ er Carl-Uwe Steeb. Schon bei den Australian Open im Januar in Melbourne ist Becker an Djokovics Seite, außerdem wird er bei den French Open in Paris, in Wimbledon, bei den US Open in New York sowie bei den Masters-Events in Dubai, Miami, Monte Carlo, Rom, Cincinnati, Shanghai, Paris und London mit Djokovic vor Ort sein.
Damit sind im nächsten Jahr drei große Namen wieder mehr oder weniger regelmäßig auf der Tour vertreten. Neben Becker und Ivan Lendl (53), der Olympiasieger Andy Murray trainiert, kehrt auch der Schwede Stefan Edberg (47) an der Seite von Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer auf die Tour zurück.
