London - In der Spielerbox des Centre Court, einige Meter über dem wichtigsten aller Rasenplätze in Wimbledon, sprang Boris Becker (47) so schnell auf, wie es sein geschundener Körper erlaubte. Auf dem Platz brüllte Novak Djokovic (28) die Freude über seinen dritten Titel beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt in den wolkenverhangenen Himmel über dem Londoner Südwesten.
Mit 7:6 (7:1), 6:7 (10:12), 6:4 und 6:3 wiederholte der seit Monaten dominierende Tennisspieler seinen Triumph aus dem Vorjahr gegen Rasenkönig Roger Federer (33). 30 Jahre nach seiner ersten Sternstunde im All England Club muss der dreimalige Wimbledon-Champion Becker seinem serbischen Schützling ein wenig Platz im selbst ernannten Wohnzimmer freiräumen. „Er darf jetzt keine Sprüche mehr klopfen“, scherzte Djokovic mit dem Goldpokal in der Hand.
Federer verneigte sich vor dem Weltranglisten-Ersten, der ihm erneut die Chance raubte, sich mit dem achten Titel im englischen Rasen-Mekka zum alleinigen Rekordhalter zu krönen. „Novak hat nicht nur heute, sondern zwei Wochen lang und das ganze Jahr und das letzte Jahr und das Jahr zuvor überragend gespielt“, sagte der 17-malige Grand-Slam-Champion: „Er hat sich diesen Sieg verdient, weil er bei den wichtigen Punkten unheimlich stark war.“
Der vom schwedischen Ex-Profi Stefan Edberg (49) trainierte Schweizer haderte dagegen mit seiner Chancenauswertung und der Aufschlagquote, zu selten knüpfte er an die Tennis-Gala im Halbfinale gegen Andy Murray an. Djokovic rief derweil vor den Augen des IOC-Präsidenten Thomas Bach das beste Tennis im Turnierverlauf ab. „Wir alle im Team Djokovic bemühen uns, ihm zu helfen“, sagte Becker: „Aber er ist der Mann, er muss es auf dem Platz bringen.“
Zwei Satzbälle wehrte Djokovic im ersten Satz ab, ehe er mit einem der Perfektion nahen Tiebreak Federer den ersten Stich versetzte. „Zeig ihm, wer der Boss ist“, rief einer der vielen Federer-Fans unter den 15 000 Zuschauern dem Publikumsliebling aus Basel zu, der Chef war jedoch Djokovic. Nur im zweiten Durchgang belohnte sich Federer; es war der Höhepunkt einer Partie, die nur selten die Dramatik vergangener Endspiele erreichte. Im Dauer-Duell der beiden steht es nach nunmehr 40 Partien 20:20.
Die frühere Weltranglisten-Erste Martina Hingis aus der Schweiz hat indes im Alter von 34 Jahren an der Seite der Inderin Sania Mirza die Doppel-Konkurrenz gewonnen. Die beiden schlugen die Russinnen Jekaterina Makarowa und Jelena Wesnina 5:7, 7:6 (7:4), 7:5. Hingis hatte bereits 1996 im Alter von 15 Jahren an der Seite von Helena Sukova in Wimbledon triumphiert. Am Sonntagabend gewann Hingis zudem an der Seite des Inders Leander Paes auch den Titel in der Mixed-Konkurrenz.
