Los Angeles/Frankfurt - Die Sportwelt reagierte geschockt, Sponsoren zogen sich zurück und der gefallene Tennis-Superstar Maria Scharapowa tauchte erstmal ab: Am Tag nach ihrer Doping-Beichte stand die Russin vor dem Scherbenhaufen ihrer großen Karriere und hinterließ viele Fragen. Spekuliert wird über ein mögliches Karriereende der bestverdienenden Sportlerin der Welt, die Länge ihrer Sperre und den Wahrheitsgehalt ihrer Aussage. Hochdotierte Verträge von Nike und Porsche mit der 28-Jährigen sind bereits auf Eis gelegt.
Für den Dopingexperten Fritz Sörgel ist eine Sperre Scharapowas wegen Meldonium-Missbrauchs von „mindestens zwei Jahren“ unumgänglich. Der Anwalt der fünfmaligen Major-Siegerin, John Haggerty, rechnet im schlimmsten Fall sogar mit einer „Sperre von vier Jahren“, wie er der Zeitung „USA Today“ sagte. Allerdings sei auch eine Straffreiheit „wegen mildernder Umstände“ möglich. Auf die Öffnung der B-Probe verzichtete die bei den Australian Open im Januar überführte Scharapowa, die ab 12. März erst einmal gesperrt sein wird.
Auch die Aussage der Tennisspielerin, dass sie die erst seit dem 1. Januar 2016 auf der Doping-Liste stehende Substanz bereits seit zehn Jahren aus gesundheitlichen Gründen konsumiere, sei nach Meinung von Sörgel keine Entschuldigung. „Ich könnte mir keine Konstellation vorstellen, dass sie nicht mindestens zwei Jahre gesperrt wird. Das würde auch international überhaupt nicht akzeptiert werden“, sagte der Mediziner und Pharmakologe Sörgel und fällte ein vernichtendes Urteil: „Es ist ein weißer Sport, aber noch nie übertrieben anständig, was den Bereich Doping anbetrifft.“
Scharapowa ist nicht die erste Profisportlerin, die positiv auf die in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassene Substanz getestet wurde. Vor ihr waren unter anderem ihre Landsleute Eduard Worganow (Radsport) und Jekaterina Bobrowa (Eiskunstlauf) erwischt worden, am Dienstag kamen Pawel Kulischnikow (Eisschnelllauf) und Semjon Jelistratow (Shorttrack) hinzu.
Die Tennis-Diva hatte berichtet, dass es in ihrer Familie Diabetes-Fälle gebe und sie wegen ihrer Grippe-Anfälligkeit seit 2006 auf das Medikament zurückgegriffen habe. „Ich habe auch ein Defizit an Magnesium und hatte irreguläre EKG-Ergebnisse“, erzählte Scharapowa, die Chefin der Süßwarenlinie „Sugarpova“ ist und am Montag zu ihrer „Beichte“ in einem Hotel in Los Angeles in einer schwarzen Bluse erschienen war. Der Chef-Kardiologe der „Cleveland Clinic“, Steven Nissen, sagte der „New York Times“ allerdings: „Bei keinem Krankheitsbild wird Meldonium jungen Athleten als Medikament verordnet.“
Dass Scharapowa wissentlich gedopt haben soll, ist für den russischen Tennisverbands-Präsidenten Schamil Tarpischtschew „Blödsinn“. Er gehe davon aus, dass sie im August bei den Olympischen Spielen in Rio spielen werde, sagte er.
