New York - In Hamburg fiel Alexander Zverev ins Sommerloch, aus dem er sich bis zu den US Open noch nicht wieder befreit hatte. Der lustlose Auftritt in seiner Heimat und die Absage für die Olympischen Spiele in Rio brachten dem Teenager erstmals deutliche Kritik ein, selbst von Förderer Michael Stich. Doch Zverev und sein Management verfolgen einen eigenen Plan, in dem wohl auch die Davis-Cup-Relegation gegen Polen in Berlin nicht vorkommt.
Offenbar steht Zverev für den Kampf um den Klassenerhalt (16. bis 18. September) nicht zur Verfügung, Teamchef Michael Kohlmann hat die Hoffnung auf einen Einsatz seiner Nummer zwei allerdings noch nicht ganz aufgegeben. In New York wolle er das Gespräch mit Zverev, dessen Vater Alexander senior und Manager Patricio Apey suchen. „Wir sind in Kontakt und versuchen weiter, in Berlin mit dem besten Team aufzulaufen“, sagte Kohlmann.
Zverev würde dazugehören, auch wenn seine jüngsten Auftritte nicht das Potenzial des 19-Jährigen widerspiegelten. Bei den Erstrundenniederlagen gegen Inigo Cervantes in Hamburg, Yen-Hsun Lu in Toronto und Yuichi Sugita in Cincinnati war er weit von seinen Ansprüchen entfernt.
Auf die US Open, den letzten Grand-Slam-Höhepunkt der Saison, hat sich Zverev daher konzentriert vorbereitet. Gemeinsam mit Österreichs Jungstar Dominic Thiem arbeitete er eine Woche lang auf Long Island vor den Toren New Yorks. Bundestrainer Kohlmann ist guter Dinge, dass Zverev im Big Apple zurück in die Erfolgsspur findet. „Er fühlt sich hier wohl, er will ja ein Global Player sein, da gehören die US Open einfach dazu. Außerdem kommt ihm der Hardcourt entgegen“, sagte Kohlmann.
Allerdings warnt er davor, Zverev bereits sicher in der zweiten Runde zu sehen. Zum Auftakt trifft der Weltranglisten-29. an diesem Dienstag auf Qualifikant Daniel Brands (Deggendorf). „Auf dem Papier ist Sascha sicher Favorit, aber es ist bestimmt nicht einfach für ihn, gegen einen anderen Deutschen mit dieser Rolle umzugehen“, sagte Kohlmann: „Außerdem hat er schon zweimal gegen Daniel verloren. Das hat ein Spieler immer im Kopf.“
Selbigen durchzusetzen, gegen Widerstände und manchmal auch die Vernunft, zeichnet Zverev (noch) aus. Der frühere Wimbledonsieger Stich kritisierte ihn nach den Auftritten in Hamburg scharf, Zverev habe „sich selbst am meisten geschadet“. Beim Deutschen Tennis Bund (DTB) ärgerten sie sich über die kurzfristige Absage für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. „Man kann sich fragen, ob seine Turnierplanung so richtig war, alles hintereinander weg zu spielen“, sagte Sportdirektor Klaus Eberhard.
Der Verzicht auf den Davis Cup wird erneut für Missklänge sorgen, die Zverev jedoch kaum vernehmen wird. Sein Plan sieht keine Kompromisse vor – und bislang ist er ausgezeichnet aufgegangen.
