ETON - Als die letzte Eisenkugel in den englischen Rasen schlug und die Erdbrocken aufspritzten, war der Traum vom Olympia-Gold geplatzt. Ungültig. David Storl riss dennoch beide Arme in die Höhe, er hatte einen tollen Job gemacht. Ganze drei Zentimeter fehlten dem Riesen aus Sachsen bis zum Gipfel des Olymp. Nur Tomasz Majewski war am Freitagabend bei den Olympischen Spielen in London besser als der 22-Jährige aus Chemnitz. Der Pole holte sich vor 80 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena mit 21,89 Metern wie vor vier Jahren in Peking Gold, Dritter hinter Olympia- Debütant Storl (21,86) wurde Ex-Weltmeister Reese Hoffa aus den USA (21,23).
Ich bin nicht traurig, sagte Storl sichtlich vergnügt und versicherte: Ich freue mich riesig über Silber. Immerhin hat er mit seinem zweiten Platz gleich in der ersten der 47 Entscheidungen dafür gesorgt, dass die Bilanz der deutschen Leichtathleten von Peking bereits übertroffen ist. Damals hatte das gesamte deutsche Team nur einmal Bronze zustande gebracht. Storl ließ allerdings die Chance ungenutzt, 24 Jahre nach Ulf Timmermanns Triumph von Seoul 1988 wieder die Kugelstoß-Goldmedaille nach Deutschland zu holen.
Ich will einen 22-Meter-Stoß raushauen und sehen, was passiert, hatte Storl angekündigt. Und in der Tat schockierte er die Rivalen, nur Majewski schlug zurück.
Der 145-Kilo-Judoka Andreas Tölzer warf derweil nach seinem Erfolg Bundestrainer Detlef Ultsch wie ein kleines Kind in die Luft. Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Bronzemedaille. Ich fühle mich als Sieger, sagte er nach dem Gewinn des so langersehnten Edelmetalls.
Gold war Tölzers Traum, Bronze das Minimalziel. Auf jeden Fall will ich eine Medaille, hatte der Schwergewichtler, der 2004 und 2008 früh gescheitert war, vor seinem dritten Olympia-Start angekündigt.
Derweil haben Sabine Lisicki und Christopher Kas dem deutschen Tennis-Team doch noch eine unverhoffte Medaillenchance beschert. Das deutsche Mixed aus Berlin und Trostberg steht nach dem 4:6, 7:6 (7:2), 10:7 gegen Roberta Vinci und Daniele Bracchiali aus Italien im Halbfinale an diesem Sonnabend. Spaß haben, gewinnen, weiter gehts, sagte Lisicki.
