Melbourne - Laut wie nie schrie Tennisspieler Roger Federer die Freude über den unwahrscheinlichsten seiner Grand-Slam-Triumphe heraus. Als er nach seinen Jubelsprüngen schließlich von Australiens Tennis-Legende Rod Laver die Trophäe für seinen fünften Australian-Open-Triumph erhielt, suchte er zunächst nach Worten.

In einem am Ende mitreißenden Finale siegte der Schweizer gegen seinen spanischen Angstgegner Rafael Nadal am Sonntag trotz eines Rückstandes im fünften Satz noch 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3. Es war der 18. Titel für Federer, der Nadal dessen 15. großen Triumph im Duell der Altmeister verwehrte.

Beim ersten Turnier nach halbjähriger Verletzungspause hatte Federer gegen den ebenfalls unerwartet ins Finale gekommenen Nadal im letzten Satz zunächst seinen Aufschlag verloren. Zum 3:3 glich er aus, nach 3:38 Stunden und dem zweiten Matchball sprang er losgelöst über den blauen Hartplatz der Rod-Laver-Arena, nachdem Nadal vergeblich den Videobeweis bemüht hatte. Es ist der erste Erfolg in Melbourne seit sieben Jahren und noch einmal ein Grand-Slam-Titel für Federer nach 2012 in Wimbledon.

„Ich war nicht sicher, ob ich es hierher schaffen würde“, sagte der im vorigen Jahr am linken Knie operierte Federer. „Tennis ist ein harter Sport. Wenn es ein Unentschieden geben würde, würde ich es heute gern gegen Rafa akzeptieren“, sagte der Grand-Slam-Rekordsieger.

Der von seiner Handgelenksverletzung erholte Nadal schien zunächst untröstlich. „Wahrscheinlich hat Roger es ein bisschen mehr verdient als ich“, erklärte der Australien-Champion von 2009 .

Sogar ihren 23. Grand-Slam-Titel holte Serena Williams am Samstag. Durch das 6:4, 6:4 über ihre Schwester Venus ist die Amerikanerin nun die erfolgreichste Spielerin der Profi-Ära vor Steffi Graf – und löst zudem Angelique Kerber ein Jahr nach der Finalniederlage in Melbourne an diesem Montag wieder als Nummer eins der Weltrangliste ab.

Serena Williams stellte in einem erst zum Ende hin spannenderen Finale gegen ihre Schwester die lange gewohnte Weltordnung im Frauen-Tennis wieder her. Die als Nummer eins entthronte Angelique Kerber.

„Das ist ein Bonus. Es fühlt sich gut an. Ich mag es, an der Spitze zu sein“, sagte Serena Williams. Während sie mit dem linken Arm den Daphne Akhurst Memorial Cup hielt, zeigte sie mit dem ausgestreckten rechten Zeigefinger, wer nun wieder ganz oben ist.

Die größere Bedeutung besitzt aber der Grand-Slam-Rekordsieg der Amerikanerin. „Es ist ein großartiges Gefühl, den 23. zu haben. Ich habe ihn wirklich lange gejagt“, sagte Serena Williams.