London - Der Argentinier Juan Martin del Potro hat bei seinem ersten Grand-Slam-Tennisturnier seit knapp zweieinhalb Jahren für eine Überraschung in Wimbledon gesorgt. Im Zweitrunden-Duell zweier Grand-Slam-Sieger setzte sich der lange verletzte 27-Jährige am Freitag gegen den Schweizer Stan Wawrinka 3:6, 6:3, 7:6 (7:2), 6:2 durch. „Es fühlt sich unglaublich an. Ich habe es überhaupt nicht erwartet“, sagte del Potro. „Ich genieße es und fühle mich wieder lebendig.“
Probleme mit dem Handgelenk hatten ihn lange außer Gefecht gesetzt. Drei Operationen haben den US-Open-Sieger von 2009 in der Weltrangliste bis auf Rang 165 zurückgeworfen. Auf die French Open in Paris hatte del Potro verzichtet, um sich auf die Rasen-Saison zu konzentrieren. In Wimbledon spielte der argentinische Tennisprofi letztmals vor drei Jahren und erreichte damals das Halbfinale.
Während es auf den Außenplätzen zu Verzögerungen wegen des Regens kam, konnten der Weltranglisten-Fünfte Wawrinka und del Potro ihr Match auf dem überdachten Centre Court planmäßig aufnehmen. Den ersten Satz entschied der 31-jährige Schweizer für sich. Dann drehte sich die Partie zugunsten des Argentiniers. Del Potro trifft nun auf den Weltranglisten-30. Lucas Pouille aus Frankreich.
Fed-Cup- Spielerin Annika Beck schaffte nach einer gut dreistündigen Regenpause in Wimbledon erstmals den Einzug in die dritte Runde geschafft, Routinier Benjamin Becker ist dagegen ausgeschieden. Beim Grand-Slam-Tennisturnier in London verlor der 35-Jährige aus Mettlach am Freitag klar mit 4:6, 1:6, 2:6 gegen den tschechischen Top-Ten-Spieler Tomas Berdych.
Die 22-jährige Annika Beck bezwang die Weißrussin Alexandra Sasnowitsch im Eiltempo mit 6:2, 6:1. Die Bonnerin spielt damit als fünfte deutsche Tennis-Dame um den Achtelfinal-Einzug und darf sich nun auf ein Duell mit Titelverteidigerin Serena Williams aus den USA oder deren Landsfrau Christina McHale freuen.
Den Sprung in die dritte Runde schafften auch Angelique Kerber, Sabine Lisicki, Carina Witthöft und Anna-Lena Friedsam. Ihre Spiele waren ebenfalls für Freitag angesetzt. Beck musste am fünften Turniertag ihre Zweitrunden-Partie absolvieren, weil der Regen am Dienstag und Mittwoch den Spielplan durcheinandergebracht hatte.
Auch am Freitag hingen zunächst dunkle Wolken am Himmel. Mit rund einer Stunde Verspätung begannen die ersten Matches. Doch bevor Beck ihr Ziel, beim berühmtesten Tennis-Turnier der Welt erstmals in die dritte Runde vorzustoßen, in Angriff nehmen konnte, ging es wieder in die Katakomben. Die grünen Planen wurden wieder über die Rasenplätze ausgerollt, Regenschirme wurden aufgespannt. Die Warterei ging weiter. Beck hatte gerade den ersten Ballwechsel gegen die Weißrussin Sasnowitsch gewonnen. Becker hatte sich bis dahin nur eingespielt.
Für die Profis wurde das Grand-Slam-Turnier immer mehr zu einer Geduldsprobe. Als es am Nachmittag kurz nach 15 Uhr Ortszeit endlich weiterging, kam zwischenzeitlich sogar ein bisschen die Sonne heraus. Beck hatte es dann eilig und verwandelte nach nur 55 Minuten ihren zweiten Matchball. Am Vortag hatte sie in ihrer Erstrunden- Partie noch drei Matchbälle abwehren müssen, ehe ihr Sieg gegen die Britin Heather Watson feststand.
