Stuttgart - Deutschlands Tennis-Star Angelique Kerber nahm Erfolgsgarantin Julia Görges strahlend in die Arme. Eingehüllt in eine schwarz-rot-goldene Fahne ließ sich das gesamte deutsche Fed-Cup-Team nach Görges’ grandiosem Auftritt vom Publikum feiern. Die 28-Jährige drehte in Stuttgart gegen Lessia Zurenko in beiden Sätzen einen klaren Rückstand und holte mit dem 6:4, 6:4 den entscheidenden Punkt zum 3:1 in der Relegation gegen die Ukraine. Nach einer Niederlage der zweimaligen Grand-Slam-Siegerin Kerber bewahrte Görges die deutschen Tennis-Frauen von Bundestrainerin Barbara Rittner vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit.

„Es waren sehr viele Emotionen im Spiel, auch von Angies Seite her. Ich denke, dass es für Angie kein einfacher Tag war“, sagte Görges am Sonntagnachmittag: „Ich glaube, dass es ganz wichtig für das ganze Team gewesen ist, dass wir das Wochenende erfolgreich beenden.“

30 Jahre nach dem ersten Fed-Cup-Titel mit Steffi Graf ist ein großer Imageschaden und der erste Abstieg seit 2012 abgewendet. Die Auswahl spielt auch 2018 erstklassig und kann einen erneuten Angriff auf die Mannschafts-Trophäe beginnen. Ergriffen hatte Görges nach ihrem zweiten Einzelsieg den Schläger fallen gelassen und die Hände vors Gesicht geschlagen. Das sportlich bedeutungslose Doppel verloren Laura Siegemund und Carina Witthöft anschließend mit 4:6, 6:4, 6:10 gegen Olga Sawtschuk und Nadja Kitschenok zum 3:2-Endstand.

Kerber hatte die erste Chance auf den Gesamterfolg noch vertan. Nach bescheideneren Ergebnissen zeigte sich die gebürtige Bremerin verunsichert und gab sich Jelina Switolina beim 4:6, 2:6 zum vierten Mal in Serie geschlagen. „Sie hat einfach im Moment noch nicht so die Sicherheit“, analysierte Rittner: „Da fehlt diese Ruhe und Zuversicht. Angie hat so ein bisschen den Kopf verloren.“ Lächeln durfte Kerber am Ende trotzdem – dank des starken Auftritts von Görges.