Oldenburg/Nordhorn - Auf dem Platz merkt Anna-Lena Grönefeld innerhalb eines Ballwechsels, ob sie eine richtige Entscheidung getroffen hat – Fehler werden im Profitennis schnell bestraft. Ende 2011 fasste sie neben dem Feld einen Entschluss, dessen Folgen nicht so einfach in die Statistik mit erzwungenen Fehlern oder erfolgreichen ersten Aufschlägen zu pressen waren. Nach mehr als einem Jahr ist sie sich aber immer noch sicher, das Richtige getan zu haben.
Feste Doppel-Partnerin
„Ich hatte im Einzel einfach keinen Spaß mehr“, begründet die 27-Jährige den Schritt, seit 2012 nur noch im Doppel anzutreten: „Den habe ich aber jetzt. Es hat mich bislang noch nicht gereizt, ins Einzel zurückzukehren.“
In der Tschechin Kveta Peschke hat die gebürtige Nordhornerin eine feste Doppel-Partnerin gefunden. Trainiert wird das Duo vom Ehemann von Peschke. „Wir harmonieren einfach gut“, sagt Grönefeld über die 37-Jährige. „Sie spielt auch nur Doppel, so dass wir keine Terminprobleme haben.“ Dies sei bei Partnerinnen, die zusätzlich durch Einzel-Turniere gebunden seien, der Fall gewesen.
Bis zu jener Entscheidung Ende 2011 hatte Grönefeld viele Seiten des Tennisgeschäfts kennengelernt. 2003, im Alter von 17 Jahren, ging sie in die USA in eine Tennisakademie. Nach ersten Erfolgen kam Martina Navratilova – die damals 48-Jährige feierte zu der Zeit in Mixed und Doppel ein Comeback – auf sie zu und fragte, ob sie zusammen bei Grand-Slam-Turnieren Doppel spielen wollten. „Wenn die Navratilova Dich das fragt, denkst Du nicht lange darüber nach“, sagt Grönefeld. So spielte sie 2005 in Wimbledon und bei den US Open mit einem der größten Tennis-Idole aller Zeiten zusammen, beide Male erreichten sie das Halbfinale. Doch auch im Einzel machte Grönefeld auf sich aufmerksam, Ende 2005 gehörte sie zu den 20 besten Spielerinnen der Welt.
2006 wurde es noch besser, im April kletterte Grönefeld auf Rang 14 der Weltrangliste. Im Laufe des Jahres fühlte sie sich allerdings mehr und mehr von ihrem spanischen Trainer fremdbestimmt. Rafael Font de Mora verlangte, ohne Widerrede alles dem Tennis unterzuordnen. Grönefeld, die bislang perfekt funktioniert hatte, kamen Zweifel; sie fühlte sich nicht mehr frei. Die Folge war die Trennung vom Trainer.
Der fehlende Druck brachte aber auch einen Nachteil mit sich, nämlich eine ungewohnte Freiheit. Die Deutsche trainierte nicht mehr so verbissen, als Resultat kassierte sie zahlreiche Erstrunden-Niederlagen.
Starkes Comeback 2008
Mit ihrem neuen Trainer Dirk Dier aus Saarbrücken fing sie sich Stück für Stück und feierte bei den US Open 2008 ein Comeback, als sie das Achtelfinale erreichte. In der Weltrangliste rutschte sie wieder nach vorn und zählte zu den 80 besten Spielerinnen. Auch Dier konnte sie allerdings nicht vor dem Phänomen bewahren, das die Disziplin Tennis-Einzel schon im Namen trägt: die Notwendigkeit, eine extrem abgehärtete Einzel-Kämpferin zu sein.
Grönefeld wollte das nicht mehr, hatte vielmehr das Verlangen, Erfolge und Misserfolge mit anderen zu teilen. Der Umstand, dass sich im Tenniszirkus die Gegnerinnen in der Kabine zwar freundlich grüßen, sich bisweilen aber spinnefeind sind, zermürbte Grönefeld. In diese Zeit fiel dann noch einer ihrer größten Erfolge, den sie auch nicht allein errang: 2009 siegte sie in Wimbledon an der Seite von Mark Knowles (Bahamas) in der Mixed-Konkurrenz.
Einige Verletzungen und viele Erstrunden-Niederlagen später reifte der Entschluss, etwas zu ändern. Grönefeld verabschiedete sich aus dem Einzel, wo sie inzwischen in der Weltrangliste nicht mehr geführt wird. In Wehmut verfällt Grönefeld beim Blick zurück nicht, vielmehr ist sie stolz auf das Erreichte. In der Doppel-Weltrangliste steht sie inzwischen auf Platz 19.
Hannover neue Basis
In Saarbrücken, wo sie bei ihrem damaligen Coach Dier trainierte, hat sie inzwischen ihre Zelte abgebrochen. „Wenn ich in Deutschland bin, trainiere ich in Hannover am Bundesstützpunkt“, sagt Grönefeld, die von dort aus schneller mal zu den Eltern nach Nordhorn fahren kann. Zusammengerechnet sei sie im Jahr aber nur rund zwei Monate in Deutschland, denn „ich spiele ja weltweit 20 bis 25 Turniere pro Jahr“.
In der vergangenen Woche spielte sie in Kattowitz, an der Seite der Slowakin Janette Husarova (Doppel-Partnerin Peschke ist derzeit verletzt) schied sie in der ersten Runde aus. Am Montag erhielt sie dann eine erfreuliche Nachricht: Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner nominierte Grönefeld für das Duell gegen Serbien am kommenden Wochenende in Stuttgart nach. Grund war der verletzungsbedingte Ausfall von Julia Görges, die auch für das Doppel vorgesehen war.
