London - Thomas Haas ist mit 37 Jahren und 87 Tagen in Wimbledon erfolgreich auf die Grand-Slam-Bühne zurückgekehrt und hat damit die dürftige deutsche Bilanz am ersten Tag des ältesten Tennisturniers der Welt gerettet. Haas bezwang in Runde eins den Serben Dusan Lajovic 6:2, 6:3, 4:6, 6:2. Von den anderen deutschen Männern erreichte nur Alexander Zverev, der sich gegen Teimuras Gabaschwili aus Russland durchsetzte, die zweite Runde. Ausgeschieden sind dagegen unter anderem Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer und Jan-Lennard Struff.

Kohlschreiber war bei der offiziellen Eröffnung des Turniers gegen Titelverteidiger Novak Djokovic chancenlos, nach 2:03 Stunden unterlag der Augsburger 4:6, 4:6, 4:6. Auch Mayer (Bayreuth) schied gegen Juan Monaco aus Argentinien ohne Satzgewinn aus, Struff (Warstein) lieferte Bernard Tomic (Australien/27) immerhin eine spannende Partie über fünf Sätze.

„Ich habe ein gutes Match gespielt, es war aber nicht gut genug, um ihn zu schlagen“, sagte Kohlschreiber nach seiner siebten Niederlage gegen den von Boris Becker trainierten Djokovic. Das Erlebnis vor 15 000 Zuschauern auf dem Centre Court beeindruckte ihn dennoch: „Tolle Atmosphäre, tolles Wetter: Was kann es Schöneres geben? Außer noch, als Sieger vom Platz zu gehen.“

Das gelang Routinier Haas, einmal mehr der älteste Spieler im Feld, auf Platz acht der Anlage an der Church Road. Seine viermal operierte Schulter bereitete ihm zwar auch gegen Lajovic Probleme, vor allem der Aufschlag ist kaum konkurrenzfähig, doch taktisch und technisch ist Haas noch immer eine Klasse besser als der durchschnittliche Profispieler.

Ob Haas bei seinem ersten Grand-Slam-Turnier seit mehr als einem Jahr über die zweite Runde hinauskommt, erscheint jedoch äußerst fraglich. Mit müder Schulter muss er nun gegen den letztjährigen Halbfinalisten Milos Raonic aus Kanada antreten. 30 Jahre, nachdem der damals 17-jährige Boris Becker das Traditionsturnier im Londoner Südwesten zu seinem Wohnzimmer gemacht hat, sind die Aussichten seiner sportlichen Erben trist.

Für Kohlschreiber führte in Wimbledon sowieso kein Weg an Djokovic vorbei, der Serbe spiele „wie eine Ballmaschine“, lobte er den Branchenführer, der nach der Niederlage im Finale der French Open eine Pause eingelegt hatte.

Die deutschen Hoffnungen auf einen Überraschungserfolg in der Kathedrale des Tennis ruhen schon seit Jahren ohnehin auf den Frauen – Angelique Kerber und Sabine Lisicki greifen erst an diesem Dienstag ins Geschehen ein.

Ein beeindruckendes Ergebnis lieferte am Montag Andrea Petkovic ab. Die Darmstädterin siegte gegen die Amerikanerin Shelby Rogers mit 6:0, 6:0.