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NWZonline.de Sport Tennis

Vom Becker-Rivalen zum Geschäftsmann

17.10.2018

Hamburg Auf dem Höhepunkt ihrer Rivalität wollte Boris Becker seine tiefe Abneigung nicht mehr verstecken. Für Deutschlands Liebling war sein Antagonist aus dem Norden nur noch „der Spieler Stich“ – ein Tennisprofi unter vielen. Dabei war der Lange aus Elmshorn viel mehr als das: Wimbledon-Champion, Olympiasieger, Davis-Cup-Gewinner, ATP-Weltmeister, die Nummer zwei der Welt. Michael Stich trug mehr zum deutschen Tennisboom bei, als Becker lange lieb war.

Der Respekt der Tenniswelt war Stich sicher, Pete Sampras behauptete gar: „Wenn alle ihr bestes Tennis spielen, ist Stich der Beste.“ Dass er in seiner Heimat hinter Becker dennoch die ewige Nummer zwei blieb, störte Stich. Selbst als er Becker 1991 im Finale von Wimbledon schlug, sprach Schiedsrichter John Bryson ins Mikrofon: „Game, Set, Match Becker!“

Aus Beckers langem Schatten befreite sich Stich nie. Auch, weil der Triumph in Wimbledon sein einziger Majortitel blieb. „Natürlich hätte ich gern mehr Grand-Slam-Turniere gewonnen. Aber dann hätte ich mich stärker allein auf Tennis fokussieren müssen und wäre wohl nicht der Mensch geworden, der ich heute bin“, hat Stich gesagt. Über seinen 50. Geburtstag an diesem Donnerstag wollte er öffentlich nicht sprechen, Stich genießt die Ruhe in seiner Heimat Hamburg – 2018 hat es schließlich schon genug Aufregung um ihn gegeben.

Da war zum einen die Aufnahme in die Hall of Fame, die Auszeichnung für sein sportliches Lebenswerk, die Stich im Sommer zu Tränen rührte. Wenig später nahm er mit feuchten Augen Abschied von seinem Heimturnier am Rothenbaum, das er 1993 als bislang letzter Deutscher gewann und für das er zuletzt zehn Jahre als Turnierdirektor arbeitete. Er hätte gerne weitergemacht, doch der Deutsche Tennis Bund entschied sich für einen Neuanfang: „Die Entscheidung habe ich akzeptiert und abgehakt.“

Seine Stiftung, die sich für mit HIV infizierte oder an Aids erkrankte Kinder und deren Familien einsetzt, ist ein großer Teil seines Lebens. Dank ihr trägt Stich das Bundesverdienstkreuz. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat des von ihm mitgegründeten Rückenzentrums am Michel in Hamburg und tritt immer wieder als Investor in Erscheinung – Stich nennt sich „Business Angel“.

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