Melbourne - Die Pflicht ist erfüllt, nun hat Angelique Kerber so richtig Lust auf ihre ganz persönliche Melbourne-Kür. „Meine Reise ist hier noch nicht zu Ende. Ich will weiter da rausgehen, gewinnen – und noch ein paar Matches haben“, sagte die Weltranglistensechste Kerber nach ihrem Viertelfinal-Einzug bei den Australian Open.

Durch das 6:4, 6:0 im deutschen Achtelfinal-Duell gegen Annika Beck (Bonn) beendete Kerber eine 18-monatige, quälende Durststrecke: Seit Wimbledon 2014 hatte die Kielerin bei einem Grand-Slam-Turnier nicht mehr unter den letzten Acht gestanden. „Ich wollte dieses Viertelfinale so sehr“, meinte „Angie“, die es nach vier Turniersiegen 2015 in diesem Jahr endlich auch auf der großen Bühne „krachen lassen“ möchte.

Aus der Erleichterung über den ersten Schritt wurde bei Kerber aber schnell Angriffslust. Die wird auch nötig sein, denn im Match um das Halbfinale wartet an diesem Mittwoch ausgerechnet ihre Angstgegnerin Victoria Asarenka (Weißrussland/Nr. 14) auf die Kielerin.

Alle sechs bisherigen Duelle gegen die zweimalige Melbourne-Siegerin hat Kerber verloren.

Derweil zieht der Manipulations-Skandal im Profitennis immer größere Kreise: Nach einem Bericht der „New York Times“ steht eine Mixed-Partie bei den Australian Open in Melbourne unter Verdacht, verschoben worden zu sein.

Nach Informationen der US-Zeitung waren auf einen Sieg der Paarung Andrea Hlavackova/Lukasz Kubot (Tschechien/Polen) im Erstrundenmatch am Sonntag gegen das spanische Duo Lara Arruabarrena/David Marrero auffällig hohe Geldbeträge von insgesamt rund 25 000 US-Dollar eingesetzt worden. Zum Vergleich: Bei drei anderen parallel ausgetragenen Mixed-Partien waren es zusammen nur 2000 Dollar.

Der Online-Wettanbieter Pinnacle Sports hatte daraufhin die Partie von seiner Liste genommen. Hlavackova und Kubot gewannen in nur 49 Minuten mit 6:0, 6:3. Besonders Marrero machte in der Partie viele Fehler, begründete seine Leistung aber danach in einem Interview mit Knieproblemen. Die eingesetzte Task Force Tennis Integrity Unit machte keine Angaben.

Das Thema bleibt dennoch akut, was sich auch am Montag zeigte. Als Hlavackova und Kubot nach ihrer Zweitrunden-Niederlage gegen Yung-Jan Chan aus Taiwan und Rohan Bopanna aus Indien plötzlich zu einer Presserunde gebeten wurden, trauten sie ihren Augen kaum. Knapp 50 Journalisten drängelten sich in den viel zu kleinen Interviewraum zwei der Rod Laver Arena. „So viele Journalisten waren noch nie auf einer Pk von mir“, scherzte Kubot.