Oldenburg - Wenn an diesem Sonnabend Sabine Lisicki gegen Marion Bartoli um den Titel in Wimbledon spielt, ist sie erst die vierte deutsche Spielerin in einem Endspiel des traditionsreichsten Turniers der Tennis-Welt.

Den Anfang machten 1931 Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel in einem deutschen Finale. Als beim Spielen noch dicke Pullunder getragen wurden, sicherte sich Aussem mit 6:2 und 7:5 den ersten deutschen Titel. Für die Siegerin der Höhepunkt ihrer Karriere: „Miss Vorhand“, wie Aussem genannt wurde, musste 1935 wegen gesundheitlicher Probleme ihre Karriere beenden. Die Kölnerin Krahwinkel indes schaffte es 1936 noch einmal in ein Wimbledon-Finale, verlor aber gegen Hull Jacobs.

51 Jahre lechzte Tennis-Deutschland nach Erfolgen in Wimbledon – bis Steffi Graf kam. Verlor die Brühlerin 1987 im Alter von 18 Jahren noch ihr erstes Endspiel gegen die damals übermächtige Martina Navratilova (neun Wimbledon-Titel), beendete sie deren Ära nur ein Jahr später. Mit einem 5:7, 6:2, 6:1 wurde Graf als 19-Jährige die zweite deutsche Siegerin in Wimbledon – und auch die letzte.

Es folgte eine beispiellose Sieges-Serie von Graf, die 1989 erneut gegen Navratilova ihren Titel verteidigte. Zwei Jahre später lieferte sie sich mit der Argentinierin Gabriela Sabatini eines der spannendsten Endspiele der Wimbledon-Geschichte, gewann im dritten Satz 8:6. Vier weitere Erfolge gegen Monica Seles (1992), Jana Novotna (1993) und Arantxa Sánchez-Vicario (1995 und 1996) folgten. Erst 1999 endete ihre Vorherrschaft mit einer Niederlage (4:6, 5:7) gegen die Amerikanerin Lindsay Davenport.

Nun kann sich Lisicki – 17 Jahre nach Graf’s letztem Triumph – in die Geschichtsbücher eintragen. Ihre Chancen stehen gut: Gegen Bartoli weist die Berlinerin eine 3:1-Bilanz auf. Das letzte Duell mit ihr gab es im Viertelfinale von Wimbledon 2011: Lisicki siegte mit 6:4, 6:7, 6:1.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion