LONDON - Die Absage kam per verwackeltem Handy-Video: Philipp Kohlschreiber hat dem Nominierungs-Wirrwarr im deutschen Männer-Tennis vor den London-Spielen die Krone aufgesetzt. Der verletzte Kohlschreiber hatte am Sonnabend nach dem Finale des ATP-Turniers in Kitzbühel für seine Olympia-Premiere am nächsten Tag abgesagt.
Die offizielle Stellungnahme des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sprach von einer Adduktorenverletzung bei Kohlschreiber. Die Art seiner Absage wirft zumindest Fragen auf. In einem Handy-Video von denkbar schlechter Qualität erläutert Kohlschreiber, die Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen, seine Diagnose. Ich habe die ganze Woche schon mit einem verhärteten Fuß gekämpft. Im Finale ist es dann schlimmer geworden, sagte der 28-Jährige nach der 7:6, 3:6, 2:6-Niederlage im Endspiel von Kitzbühel gegen den Niederländer Robin Haase. Zuvor hatte bereits Florian Mayer die Olympischen Spiele aus Termingründen abgesagt er scheiterte in Kitzbühel in seinem Auftaktmatch.
Thomas Haas wäre hingegen zu gern in Wimbledon dabei gewesen, doch der wiedererstarkte Altmeister 2000 mit Silber dekoriert war vom DOSB nicht für eine mögliche Wildcard beim Internationalen Tennis-Verband (ITF) gemeldet worden. Für Tommy gab es kein größeres Ziel als die Olympischen Spiele, sagte Haas-Manager Edwin Weindorfer.
Boris Becker kritisierte derweil Kohlschreiber und Mayer: Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Die Topstars Federer, Djokovic und Murray haben das Turnier zum Highlight der Saison erklärt. Ich weiß nicht, warum das Kohlschreiber und Mayer anders sehen, sagte der dreimalige Wimbledonsieger.
