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Tennis Tag für die Ewigkeit blieb ohne Ehrentanz

Angela Bern

London - In den Tagen zuvor hatte es unaufhörlich geregnet. Keiner dieser kräftigen englischen Landregen zwar, aber immer wieder nieselte es, und ein fast schwereloser feuchter Teppich legte sich über das heilige Grün. Kein Wetter für Rasentennis, und ein Dach hatte der Centre Court von Wimbledon, dieses sagenumwobene Bauwerk in London, damals noch nicht. Immerhin liegt die Geschichte ja auch schon 30 Jahre zurück.

Frauen-Finale verschoben

Kurzum: Am 8. Juli 1989, einem Samstag, konnte nicht gespielt werden. Steffi Graf und Martina Navratilova, die beiden Finalistinnen, brachen nach endlosen Stunden des Wartens ihre Zelte auf der Anlage ab. Boris Becker und Stefan Edberg hatten die ihren gar nicht erst verlassen, ihr Finale war ohnehin erst für Sonntag angesetzt.

Am 9. Juli 1989 hatte der exzentrische englische Wettergott ein Einsehen. Es war kein strahlender Sonnentag, aber die Plätze waren trocken, der Showdown konnte über die Bühne gehen. Um 15.40 Uhr deutscher Zeit war Teil eins beendet: „Game, set, match Miss Graf.“ Keine drei Stunden später wieder die magische Formel: „Game, set, match Becker.“ Gemeinsam hatten die Königskinder des deutschen Tennis, damals 20 und 21 Jahre alt, ihr Gipfelkreuz errichtet.

Es war in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Tag. Steffi Graf, die Beherrschte, Unterkühlte, sie rang die große Navratilova mit ungezügelter Leidenschaft und Emotionen nieder. Mehrmals schrie „Miss Vorhand“ laut auf, zeigte sie so etwas wie die Becker-Faust – normalerweise undenkbar in ihrem mit überlegener Präzision geführten Spiel. Nach dem Matchball zum 6:2, 6:7, 6:1 saß Graf schluchzend auf ihrem Stuhl, und als sie den Silberteller für die Fotografen in die Höhe reckte, hatte sie immer noch feuchte Augen.

Die Tränen kamen Boris Becker wenige Stunden später zwar nicht, aber zu einem Lächeln mochte sich der eigentlich so hochemotionale Champion auch nicht hinreißen lassen. Der Mann, der die Menschen mit seinen offen ausgelebten Gefühlen auf dem Platz faszinierte, wirkte an diesem Tag um einige Grad kühler als der stets überdisziplinierte Edberg.

Als Becker mit einem Service-Winner das 6:0, 7:6, 6:4 perfekt gemacht hatte, hockte er minutenlang in sich zurückgezogen auf dem Stuhl, faltete die Hände und blickte zum Himmel – vielleicht ahnte er da, dass sein dritter zugleich sein letzter Wimbledon-Titel bleiben sollte. Die Wolken hatten sich mittlerweile über dem Centre Court zusammengerottet, fünf Minuten nach dem Matchball setzte der Regen ein.

Glückwunsch per Telegraf

In der Dämmerung dieses Tages strahlten Graf und Becker dann aber doch noch mal um die Wette. Im Blitzlicht der „viewing line“, der traditionellen Wimbledongasse für die Schaulustigen direkt vor den Türen des All England Club, ließen sie sich geduldig von den Zuschauern ablichten. SMS, Mails, all das war noch ferne Zukunft, und so tickerten die Glückwünsche von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl im Telegrafenraum des Clubs ein.

Fast wäre allerdings dann das „Dinner for two“ am Ende jenes denkwürdigen 9. Juli 1989 zum „Dinner for one“ geworden, denn es ging auf Mitternacht zu, als Becker im Smoking endlich zum Champions Dinner anrückte. Und weil es schon so spät war, blieb dem jungen Traumpaar des Abends der bei nahezu allen Siegern bis heute verpönte Ehrentanz erspart. Zum Glück, wie beide versicherten.

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