Nancy - Auf dem grünen Hartplatz von Nancy tanzte ein blaues Tennis-Kneul vergnügt im Kreis, von den Tribünen des Palais des Sports Jean Weille schallte die Marseillaise. Etwas abseits und mit bedröppelten Gesichtern standen die Mitglieder des deutschen Davis-Cup-Teams; hin- und hergerissen zwischen der Enttäuschung über die 2:3-Niederlage und dem Stolz, den Favoriten Frankreich an den Rand einer Niederlage gebracht zu haben.

Nach der beinahe sensationellen 2:0-Führung vom Freitagabend hatte die Auswahl von Bundestrainer Carsten Arriens den Halbfinaleinzug noch aus der Hand gegeben. Tobias Kamke und Peter Gojowczyk, die zum Auftakt noch ganz Tennis-Deutschland mit ihren Überraschungserfolgen verzückt hatten, waren gegen Jo-Wilfried Tsonga und Gael Monfils bei ihren Niederlagen chancenlos gewesen und auf dem harten Boden der Realität gelandet.

„Diese Gefühlswelt ist so extrem im Sport“, sagte Arriens. Die Woche in Nancy hatte den Kapitän jedoch trotz der bitteren Niederlage offensichtlich davon überzeugt, in Zukunft auch ohne seine Spitzenspieler auskommen zu können. Philipp Kohlschreiber, Tommy Haas und Florian Mayer hatten beim Erstrundensieg gegen Spanien für einen Eklat gesorgt, als keiner sich in der Lage fühlte, im sportlich unbedeutenden Abschlusseinzel anzutreten.

Arriens wolle zu Kohlschreiber „zeitnah Kontakt aufnehmen und dann sehen, ob er ein Teil des Teams sein kann. Momentan sehe ich das kritisch“, sagte der 44-Jährige und deutete an, in Zukunft auf den Augsburger verzichten zu können. Der 36-jährige Haas dürfte aufgrund seines Alters keine Option für die Zukunft sein, eine Rückkehr von Mayer ist hingegen vorstellbar. Die Leistung seines neu zusammengewürfelten Teams in Nancy wird Arriens in seiner Überzeugung unterstützen.

Debütant Gojowczyk, dessen Fünfsatzsieg über Tsonga einer der emotionalen Höhepunkte der jüngeren deutschen Tennis-Geschichte war, fehlte im entscheidenden Einzel gegen Monfils die Kraft, der 24-Jährige verlor 1:6, 6:7 (0:7), 2:6. Im Doppel hatten sich André Begemann und Kamke in vier Sätzen geschlagen geben müssen. Frankreich trifft jetzt auf Tschechien (12. bis 14. September).