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NWZonline.de Sport Tennis

Ikone benimmt sich daneben

10.09.2018

New York Mit unverzeihlichen Ausrastern im US-Open-Finale zerstörte Serena Williams den größten Moment von Naomi Osaka. Einmal mehr setzte die 36-Jährige im Zorn ihren Ruf als Ikone des Tennissports aufs Spiel und ließ den ersten Grand-Slam-Titel für Japan fast zur Nebensache werden. Als wären Schiedsrichter-Beleidigungen, ein zertrümmerter Schläger, Tränen und ein Spielabzug nicht schon genug, erhob Williams nach dem 2:6, 4:6 noch Sexismus-Vorwürfe und stellte sich als Vorkämpferin für Gleichberechtigung dar. Am Sonntag wurde Williams indes wegen ihres Verhaltens mit einer Geldstrafe von 17 000 Dollar belegt.

Was sie am Samstag in New York so ungebührlich erzürnte, waren drei regelkonforme Verwarnungen von Carlos Ramos, einem der erfahrensten Unparteiischen auf dem Stuhl. Die erste gab es wegen Coachings. „Ich betrüge nicht, lieber verliere ich. Sie schulden mir eine Entschuldigung“, giftete sie Ramos immer wieder an. Williams habe klargemacht, sie sei nicht gecoacht worden, teilte der US-Tennis-Verband mit, statt den Schiedsrichter zu stärken.

Trainer Patrick Mouratoglou räumte verbotene Zeichen von der Tribüne ein, die Williams indes wohl kaum gesehen haben dürfte. Via Twitter echauffierte sich der Franzose, wohl jeder Spieler werde gecoacht.

Nachdem Williams im zweiten Satz nach dem Break zum 3:1 ihren Aufschlag abgab, zertrümmerte sie ihren Schläger und kassierte einen Punktabzug – hatte allerdings zuvor wohl nach einem ruhigen Dialog geglaubt, Ramos habe die erste Verwarnung zurückgenommen. „Sie haben mir einen Punkt gestohlen. Sie sind auch ein Dieb“, herrschte sie den Portugiesen beim nächsten Seitenwechsel an. Ramos blieb nichts anderes als die dritte Verwarnung übrig und der Spielabzug zum 3:5.

„Das fühlte sich wie eine sexistische Bemerkung an“, meinte sie zu der Strafe. Ramos habe noch nie einem Mann ein Spiel abgezogen, der „Dieb“ zu ihm gesagt habe. „Das macht mich fertig. Aber ich werde weiter für die Frauen kämpfen“, versprach Williams und brachte – komplett aus dem Zusammenhang – erneut den Fall der Französin Alizé Cornet auf. Cornet war während des Turniers zu Unrecht verwarnt worden, weil sie auf dem Platz ihr Tennis-Hemd ausgezogen hatte, um es richtig herum wieder anzuziehen.

Osaka ging mit all dem bemerkenswert um, brachte mit Nervenstärke nach 1:19 Stunden ihren Aufschlag zum 6:4 durch und umarmte danach ihre japanische Mutter auf der Tribüne innig. Ihr haitianischer Vater sei zu aufgeregt, um das Match dort zu schauen, berichtete sie später. Die 20-Jährige wirkte in der vergifteten Atmosphäre nicht so, als würde sie gerade den größten Erfolg ihrer jungen Karriere feiern. Das wollte die seit der Kindheit erst in New York und dann in Florida lebende Aufsteigerin mit Videospielen, aber nicht mit Alkohol. „Ich bin 20“, antwortete sie entrüstet auf die Frage nach einem Drink.

Schon durch das verlorene Wimbledonfinale gegen Angelique Kerber hatte es Williams verpasst, den Rekord der Australierin Margaret Court einzustellen. Diese hatte 24 Grand-Slam-Turniersiege im Einzel gefeiert.

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