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NWZonline.de Sport Tennis

Zverev verzweifelt an Schwächen

04.09.2019

New York Das Urteil von Boris Becker nach Alexander Zverevs Aus bei den US Open war knallhart. „Er hat sich in den letzten 18 Monaten als Spieler nicht verbessert“, kritisierte das Tennis-Idol, nachdem die deutsche Nummer eins in New York klar im Achtelfinale gescheitert war. „Für mich ist das Spiel ein bisschen zu eindimensional, zu lesbar für den Gegner“, meinte Becker weiter.

Und so konnte sich auch Diego Schwartzman, dieser kleine, bissige Argentinier, bei Zverevs verdienter 6:3, 2:6, 4:6, 3:6-Niederlage auf dessen Berechenbarkeit verlassen – denn wie so oft in den vergangenen Wochen warf sich der Hamburger quasi selbst aus dem Turnier. Das Warten auf den großen Grand-Slam-Durchbruch bei Zverev geht weiter.

„Er ist motiviert, ist fleißig, hat ein gutes Umfeld, aber seine Netzangriffe und seine Position auf dem Platz sind gleich wie vor 18 Monaten“, analysierte Becker. Gerät Zverev unter Druck, verkrampft er zudem schnell, weicht weit hinter die Grundlinie zurück und der zweite Aufschlag wird zur Zitterpartie. 17 Doppelfehler servierte er gegen Schwartzman – einmal mehr ein katastrophaler Wert für den Weltranglistensechsten.

Als „das Übliche“, bezeichnete Zverev diesen Umstand deshalb mit dem Humor der Verzweiflung, wesentlich deutlicher wurde Becker. „17 Doppelfehler sprechen Bände“, monierte der dreimalige Wimbledonsieger und meinte vielsagend: „Der zweite Aufschlag ist der Blick in die Seele eines Tennisspielers.“

Demnach sähe Zverevs Innenleben momentan gar nicht gut aus. Fast verängstigt streichelte er gegen Ende der Partie seine zweiten Aufschläge nur noch ins Feld. „Er muss erwachsen werden vor den Augen der Öffentlichkeit“, forderte Becker, „er muss sich freischwimmen. Die Frage ist: Reicht sein Vater als Trainer aus?“ Der 22-Jährige will sich erst einmal keinen neuen externen Trainer suchen, sondern weiter auf die Ratschläge seines Vaters Alexander senior und seines Bruders Mischa bauen.

Zverev selbst zog hingegen nach dem Aus ein versöhnliches Fazit. „Ich habe schwere Matches gewonnen, ich habe besser gespielt, mein Tennis hat sich verbessert. Das ist das Positive, das ich mitnehme“, sagte Zverev – und klang dabei ähnlich wie Julia Görges wenige Stunden zuvor.

Auch die 30-Jährige wollte sich nicht über ihre vergebene Riesenchance ärgern, als sie gegen die Kroatin Donna Vekic einen Matchball bei eigenem Aufschlag nicht nutzen konnte. „Ich glaube, dass ich auf sehr viele positive Dinge in diesem Match zurückblicken kann“, sagte sie nach dem bitteren 7:6 (7:5), 5:7, 3:6, durch das nun alle Deutschen in New York ausgeschieden sind.

Zverev fasst nun die Titelverteidigung bei den ATP-Finals in London als letztes großes Ziel in diesem Jahr ins Auge. Doch die ist in Gefahr – die besten acht Spieler des Jahresrankings qualifizieren sich für das Abschlussturnier in London, Zverev ist derzeit Neunter.

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