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NWZonline.de Sport Tennis

Tennis: Altstars kennen ihre Gegner nicht

29.05.2019

Paris Oscar Otte? Nein, gestand Roger Federer, „habe ich nie gehört“. Für Oscar Otte, den Namenlosen mit dem einprägsamen Namen, ist das nicht so schlimm. „Es wäre natürlich schon lustig“, sagte er mit einem Lächeln, wenn ihn der große Meister aus der Schweiz kennen würde, aber was soll er sich aufregen. Und so ahnungslos, wie er sich gab, war Federer doch nicht, als er nach seinem Gegner in Runde zwei gefragt wurde. „Rechtshänder und beidhändige Rückhand“, wusste er.

Roger Federer gegen Oscar Otte, 25, aus Köln, ist nicht das einzige kommende Duell zwischen einer lebenden Legende und einem Deutschen, der sich vornehmlich bei Challenger-Turnieren über Wasser zu halten versucht. In der zweiten Runde der French Open trifft außerdem Rafael Nadal, Sandplatzkönig aus Spanien, auf Yannick Maden, 29, aus Stuttgart. Otte und Maden haben sich in Paris durch die Qualifikation gemüht und stehen nach Siegen in Runde eins des Hauptfeldes nun vor den wohl größten Matches ihrer Karriere.

Otte und Maden wissen so ziemlich alles über ihre Gegner, Federer und Nadal dagegen wissen über ihre Gegner: so gut wie nichts. Aber: Sie haben ihre Methoden. Er habe ja bis Mittwoch frei, sagte Federer nach seinem Auftaktmatch, deshalb könne „das Team ein paar Recherchen machen“. Allerdings, ergänzte der Schweizer mit der Gelassenheit von 20 Siegen bei Grand Slams, sei er gegen Otte ja der Favorit, „und ich bin gern der Favorit“, denn das bedeute: „Der Gegner muss sich nach mir richten.“

In der Tat ist nicht zu erwarten, dass Federer sein Spiel an die Nummer 144 der Weltrangliste anpasst. Ebenso wenig wird es Nadal gegen Maden tun. „Am Ende des Tages geht es darum, wie ich spiele“, betonte der Rekordsieger von Roland Garros, „und wenn man den Gegner ein bisschen kennt, dann hilft das.“ Und wie lernt ein Nadal nun Maden kennen? Genauso, wie seinen Erstrundengegner Yannick Hanfmann (27; Karlsruhe): „Ein bisschen Recherche auf YouTube“, sagte der Spanier lächelnd.

Für Otte läuft es in Paris bislang traumhaft. Er hat die Qualifikation gespielt, konnte sich aber nicht direkt in das Hauptfeld spielen. Dann sagte der Australier Nick Kyrgios kurzfristig ab: Otte landete in einem Lostopf, sein Name wurde gezogen, „lucky loser“ wird so einer genannt. Nun also steht er in der zweiten Runde, was für ihn wie auch Maden bedeutet: Es gibt statt üppiger 46 000 Euro für den Platz im Hauptfeld ein garantiertes Preisgeld von 87 000 Euro.

Otte ist vor dem Aufeinandertreffen mit dem großen Roger Federer selbstverständlich etwas aufgeregt. „Mein Vorbild, Wahnsinn.“ Es wird übrigens das zweite Aufeinandertreffen sein: „Ich hab mal“, erzählte Otte, „’hallo’ gesagt zu ihm – in der Umkleidekabine.“

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