PARIS - Angelique Kerber hat ihren Siegeszug in Paris mit ihrem ersten Titelgewinn auf der WTA-Tour gekrönt. Die US-Open-Halbfinalistin aus Kiel besiegte im Finale des Hallenturniers die an Nummer zwei gesetzte Lokalmatadorin Marion Bartoli nach 2:39 Stunden und fünf Matchbällen mit 7:6 (7:3), 5:7, 6:3. Kerber tritt damit die Nachfolge von Steffi Graf an, die 1995 in Paris triumphiert hatte.

Kerbers tolle Woche an der Seine ist kein Zufall. Nach zwei Halbfinal-Teilnahmen im Januar (Auckland/Hobart) und nunmehr 14:3 Siegen in diesem Jahr ist die 24-Jährige derzeit eine der erfolgreichsten Spielerinnen auf der Tour. Im Viertelfinale von Paris schaffte Kerber gegen die frühere Weltranglistenerste Maria Scharapowa sogar ihren ersten Erfolg über eine Top-5-Spielerin. „Es ist unglaublich. Mein erster Turniersieg – ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, meinte Kerber, die sich riesig über ihre „fantastische Woche“ in Paris freute.

Ernüchterung dagegen bei den deutschen Tennismännern. Mit einer 1:4-Niederlage gegen Argentinien schieden sie im Achtelfinale des Davis Cups aus und müssen sich nun im September neu für die Weltgruppe qualifizieren.

Nachdem sein „Kindheitstraum“ vom Davis-Cup-Sieg erneut frühzeitig geplatzt war, entlud sich bei Tommy Haas der Frust. Ziel seines Zorns: Teamkollege Philipp Kohlschreiber, der wegen eines Magen-Darm-Virus gefehlt hatte. „Dass er nicht mal gekommen ist, finde ich schade“, grollte Haas am Sonnabend in Bamberg.

Tennisidol Boris Becker rechnet gar damit, dass der Zoff das Team noch länger beschäftigen wird. „Das wird nicht so spurlos vorübergehen“, erklärte der Altstar bei „bild.de“. Dass Kohlschreiber keinerlei Kontakt zu den Kollegen gehabt habe, sei „nicht gerade mannschaftsförderlich“, betonte Becker.

Wie richtig er damit lag, zeigte sich bei der Abschlusspressekonferenz. Keiner wollte Partei für Kohlschreiber ergreifen. Aufgewacht mit einem „emotionalen Kater“ erklärte auch Teamchef Patrik Kühnen, bald mit dem Augsburger sprechen zu wollen: „Es ist verwunderlich, dass er die Absage am Mittwoch gemacht hat und jetzt nächste Woche in Rotterdam startet.“ Philipp Petzschner, der für Rotterdam ebenfalls gemeldet hat, kündigte für den Fall eines Treffens mit Kohlschreiber an: „Ich werde ihn jetzt nicht verfluchen, aber ihn auch nicht umarmen.“

Nach dem 0:2-Rückstand vom Freitag verloren am Sonnabend Haas/Petzschner das Doppel 6:3, 6:4, 4:6, 3:6, 4:6 gegen David Nalbandian/Eduardo Schwank. Damit war die Pleite perfekt. Den Ehrenpunkt holte Cedrik-Marcel Stebe durch ein 7:6, 7:5 gegen Schwank.