STUTTGART - Das deutsche Tennis hofft wieder auf große Zeiten. Der sensationelle Turniersieg von Julia Görges in Stuttgart und auch das Comeback von Thomas Haas in München haben dem Sport über Ostern eine Aufmerksamkeit beschert, auf die er lange warten musste.
Diese Stimmung war der Wahnsinn, da kriegt man eine Gänsehaut, sagte Görges nach ihrem 7:6 (7:3), 6:3-Erfolg gegen die Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki aus Dänemark im Endspiel des Stuttgarter Turniers. Meinen ersten Sieg habe ich zwar schon letztes Jahr in Bad Gastein erlebt. Aber das hier vor deutschem Publikum ist etwas ganz Besonderes.
Der Aufschwung nach dem ersten Sieg einer deutschen Spielerin beim Porsche Grand Prix seit Anke Huber 1994 ist bei den deutschen Frauen nun auch in der Breite deutlich sichtbar. In Görges (Platz 27) und Andrea Petkovic (Platz 15), die ab sofort vom ehemaligen Steffi-Graf-Trainer Heinz Günthardt (52) beraten wird, gehören seit Montag zwei Deutsche zu den Top 30 der Weltrangliste. Das gab es zuletzt im August 1999.
Görges warnte nach ihrem Erfolg aber davor, jetzt zu viel von ihr und ihren Freundinnen zu erwarten. Man muss die Euphorie ein bisschen bremsen und uns Spielerinnen auch Zeit geben, um sich kontinuierlich zu entwickeln, sagte die 22-Jährige. Ich will jetzt vor allem Stabilität zeigen. Denn eine Top-Spielerin macht vor allem aus, dass sie nicht nur fünf Wochen lang oben steht.
Haas meldete sich derweil in München nach 14 Monaten Verletzungspause zurück. Bei den BMW Open tritt der 33-Jährige im Doppel an der Seite des Tschechen Radek Stepanek an.
Im Einzel möchte er spätestens bei den Grand-Slam-Turnieren in Paris und Wimbledon wieder spielen. Jedes Match sehe ich als einen Bonus an, sagte die ehemalige Nummer zwei der Welt. Ich bin auf einem guten Weg und möchte auch mal wieder sehen, wie das ist, richtige Matches zu spielen.
Haas hatte über ein Jahr lang wegen einer hartnäckigen Schulterverletzung sowie Operationen an Hüfte und Ellbogen pausieren müssen. Wir sind alle sehr happy. Es ist toll, dass er sein Comeback gibt, sagte der Münchner Turnierdirektor und Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen.
Julia Görges
wurde am 2. November 1988 in Bad Oldesloe geboren. Seit 2005 wird die Schleswig-Holsteinerin in der Weltrangliste geführt. Derzeit ist sie die Nummer 27 der Welt.Ihren ersten Turniersieg auf der WTA-Tour feierte Görges 2010 in Bad Gastein (Österreich). Zudem gewann die 22-Jährige drei WTA-Turniere im Doppel, darunter 2010 in Kopenhagen an der Seite der Nordhornerin Anna-Lena Grönefeld.
Bei ihrer ersten Wimbledon-Teilnahme 2008 stellte Görges fast einen Rekord auf. Ihr 4:6, 7:6, 16:14-Sieg gegen Katarina Srebotnik (Slowenien) dauerte 3 Stunden und 40 Minuten das zweitlängste Frauenspiel der Turniergeschichte.
