Stuttgart - Der Frage nach ihrer Vorgängerin wich Angelique Kerber geschickt aus. „Letztes Jahr habe ich hier ein sehr gutes Match gegen sie gespielt, aber ich weiß, dass hier keine Partie leicht ist“, sagte Deutschlands neuer Tennis-Liebling, als er in Stuttgart auf Maria Scharapowa angesprochen wurde.

Die Russin war die vergangenen Jahre stets das große Zugpferd bei dem WTA-Turnier: Von 2012 bis 2014 hatte sie sich jeweils den Titel gesichert. Doch in diesem Jahr fehlt Scharapowa im Schwabenland, weil sie bei den Australian Open positiv auf das Mittel Meldonium getestet wurde und seitdem wegen Dopingverdachts suspendiert ist. Der Fokus liegt daher noch mehr als sonst auf Kerber.

Schon am Montag war der Terminkalender der Australian-Open-Siegerin rappelvoll. Erst am Vormittag war sie mit dem Fed-Cup-Team aus Rumänien eingeflogen, bereits am Nachmittag reihte sich Termin an Termin. Pressekonferenz, unzählige Interviews und Fotoshootings, ein Showkampf an der Seite von Michael Chang gegen Michael Stich und den früheren Formel-1-Fahrer Mark Webber und am Abend noch die offizielle Eröffnung – Kerber hetzte von einem Auftritt zum nächsten. So wie Scharapowa wird ihr in diesen Tagen stets der rote Teppich ausgerollt.

Als Kerber gebeten wurde, per Handbewegung deutlich zu machen, wie sehr die Belastungen seit ihrem Triumph von Melbourne zugenommen hätten, gingen ihre Hände immer weiter auseinander. „Das ist der größte Unterschied seitdem. Die Dinge abseits des Platzes sind deutlich mehr geworden“, sagte Kerber.

Doch inzwischen hat sich die Kielerin an ihre neue Funktion gewöhnt, bei allem Stress bleibt sie freundlich und hat immer ein Strahlen im Gesicht. „Ich bin froh, dass sie ihre Rolle als klare Nummer eins im Team so perfekt ausgefüllt hat“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner am Wochenende in Rumänien, wo Kerber mit zwei Einzelsiegen maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt in der Weltgruppe hatte: „So stellt man sich als Teamchefin eine Nummer eins vor.“

Dass sie nach ihrem ersten Grand-Slam-Titel anfangs ein paar Probleme hatte, in den Turnieralltag zurückzufinden und in Doha und Indian Wells zum Auftakt scheiterte, will Kerber nicht überbewerten. „Das waren zwei schwächere Turniere, aber ich habe jetzt nicht ein halbes Jahr keinen Ball mehr getroffen“, sagte sie.

Seit Dienstag liegt der Fokus der Weltranglistendritten voll und ganz auf dem Ziel Titelverteidigung. An diesem Mittwoch geht es in der zweiten Runde gegen ihre Fed-Cup-Kollegin Annika Beck. „Stuttgart ist mein absolutes Lieblingsturnier. Ich will mein bestes Tennis zeigen und meinen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen“, sagte Kerber. Die letzte Spielerin, die ihren Triumph auf dem roten Sandplatz in Stuttgart bestätigen konnte, hieß übrigens Maria Scharapowa.