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J.S. Bach Messe h-moll

J.S. Bach Messe h-moll

Konzerte

calendar_today 10.11.2019
access_time 18:00 Uhr
euro_symbol ab 18,00 €
local_play Ticket kaufen

„Die h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach nimmt nicht nur in der Geschichte der Messenkomposition zwischen Guillaume de Machaut (1300 – 1377) und Igor Strawinsky (geb. 1882), sondern weit darüber hinaus in der gesamten Musik- und Geistesgeschichte eine eigene, einsame Stellung ein“ (Erich Valentin 1965). Die Messe ist natürlich zunächst eine liturgische Form. Bei den Messkompositionen handelt sich um Vertonungen des sogenannten „Ordinarium Missae“, das sind die Elemente, die spätestens seit dem 14. Jahrhundert die stets wiederkehrende Grundstruktur des Gottesdienstes prägen:

Kyrie – Gloria – Credo – Sanctus – Agnus Dei.

Martin Luther hinterließ zwei wichtige liturgische Gottesdienstentwürfe:

1. Formula Missae et Communionis pro Ecclesia Vuittembergensis

(Ordnung der Messe und der Kommunion für die Wittenbergische Kirche)

und

2. Die Ordnung der Deutschen Messe, eine Formular, dass bis in den Bereich der liturgischen Stücke hinein das deutsche Kirchenlied einsetzt.

Beide Entwürfe lassen erkennen, dass es Luther gerade nicht um die Zerstörung einer gewachsenen liturgischen Grundstruktur ging, sondern um eine Reformierung.

Kyrie – Ehre sei Gott in der Höhe – Glaubensbekenntnis – Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr – Christe, du Lamm Gottes:

diese uralten liturgischen Grundpfeiler erklingen bis in unsere Tage, zumindest im lutherischen Gottesdienst.

Interessanterweise handelt es sich bei Bachs h-moll-Messe um ein Projekt, dass man heute vielleicht als ökumenisch bezeichnen könnte, bewirbt sich Bach doch mit dem Kyrie und dem Gloria um die Verleihung des Titels „Königlich polnischer Hofkomponist“.

Bachs Widmung geht an den Kurfürsten Friedrich August II von Sachsen, der von seinem Vater zugleich die polnische Königswürde übernommen hatte.

Friedrich August I (der Starke) war es gelungen im Königreich Polen die Position des Landesherrschers zu erlangen (Polen war in dieser Zeit ein Königreich mit einer Wahlmonarchie),

er musste zu diesem Zweck allerdings zur katholischen Konfession übertreten.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund entwickelte sich in der Rezeptionsgeschichte der h-moll-Messe die These, dass das Kyrie als Trauermusik für August I und das Gloria als Jubelmusik zur Inthronisation von August II ist.

Bach überreichte am 27. Juli 1733 die beiden als „Missa“ bezeichneten Sätze seinem Landesherren als

„… gegenwärtige geringe Arbeit von derjenigen Wissenschaft, welche ich in der Musique erlanget, mit ganz unterthänigster Bitte, Sie wollen dieselbe nicht nach der schlechten Composition, sondern nach Dero Welt berühmten Clemenz mit gnädigsten Augen anzusehen und mich darbey in Dero mächtigster Protection zu nehmen geruhen“

( Die autographe Partitur wurde 2015 zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt)

Vier Jahre später bedankte sich Bach für die Ernennung zum „Hoff – Componisten“, ein Prädikat, dass ihm angesichts der beginnenden Konflikte mit dem Rektorat der Thomasschule und dem Leipziger Magistrat und Konsistorium sehr willkommen gewesen sein dürfte und ihm erheblich den Rücken stärkte.

Zu der „Missa“ (Kyrie und Gloria) fügte Bach wahrscheinlich in den Jahren 1748/ 49 die verbleibenden Komplexe Credo, Sanctus und Agnus Dei (Glaubensbekenntnis, Heilig ist der Herr Zebaoth und Christe, du Lamm Gottes) hinzu.

Er befasste sich in den dreißiger und frühen vierziger Jahren intensiv mit Messkompositionen von Palestrina bis zu seinen Zeitgenossen. Diese künstlerische Auseinandersetzung hat nachweislich Spuren in der h-moll-Messe hinterlassen.

Das Werk ist in Bachs allerletzten Lebensjahren entstanden, so überrascht es nicht, dass zu seinen Lebzeiten offenbar keine Gesamtaufführung dieser Musik stattgefunden hat. Kurz nach der Wiederaufführung der Matthäus – Passion kam es durch die Berliner Singakademie 1834 zur ersten Gesamtaufführung der h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach.

Musikwissenschaftler bezweifelten, ob das Werk überhaupt für eine Gesamtaufführung gedacht war, oder eher einen Beispielcharakter hat wie es bei Bachs Kunst der Fuge der Fall ist.

Als Argument für diese These wurde oft angeführt, dass insgesamt die Grundtonart h-moll bei weitem durch ein strahlendes D-Dur dominiert wird.

Die Endredaktion der h-moll-Messe und die der Kunst der Fuge fanden ungefähr gleichzeitig statt.

Bach zeigt bei der Kunst der Fuge, welch ein musikalischer Kosmos aus einem einzigen guten Fugenthema entwickelt werden kann. Es ist der philosophische Gedanke der Entelechie, der hier deutlich macht, wie sehr ein Ausgangspunkt schon das Potential zu seiner reichen Entfaltung bergen kann.

Für Bach war das sicherlich ein Symbol für Gottes gutes Schöpfungshandeln, dass modern gesprochen, schon in dem Moment des ersten Anfanges, das Potential für alles, was folgen würde, beinhaltete.

Schon beim Erklingen der ersten Kyrierufe zu Beginn der h-moll-Messe hat der Hörer das Gefühl, dass eigentlich schon alles gesagt ist, aber auch hier sehen wir den Ausgangspunkt einer großen Entwicklung.

Bleibt die Kunst der Fuge deutlich tonal und höremotional dem ursprünglichen d-moll – Rahmen verbunden, so wendet sich die h-moll-Messe in ihrer Tonalität zuversichtlich von h- moll nach D-Dur.

Es gibt einen einzigen musikalischen Satz (D-Dur), den Bach zweimal erscheinen lässt, es handelt sich um das „Gratias agimus“ aus dem Gloria und dem „Dona nobis pacem“ ganz am Ende.

Mit der feierlichsten und größten Musik, die überhaupt denkbar ist, verbindet Bach den Dank für Gottes große Herrlichkeit (Gratias agimus) mit der Bitte um Frieden (Dona nobis pacem).

Dankbar sollten wir sein und Frieden brauchen wir dringend.

Veranstaltungsort
Schlosskirche

location_on Schlossplatz 1
26316 Varel
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