DELMENHORST - Erika Ritterhoff erinnert sich noch gut an ihre erste Rolle. „Ich habe ein junges Mädchen gespielt, das immer mit einem anderen Verlobten in eine Pension zog“, erzählt die heute 72-Jährige. Das war in der Spielzeit 1958/59, die Komödie hieß „Herr Staatsanwalt geiht angeln“.

50 Jahre später steht sie für das Niederdeutsche Theater Delmenhorst (NTD) als Köchin Betty Johannsen in dem Stück „Mamsell Betty“ (siehe Kasten rechts) auf der Bühne. Es wird ihr letztes Engagement sein. „Ich verabschiede mich mit einer großen Rolle“, sagt Ritterhoff. Leicht fällt ihr das Aufhören nicht. „Da geht ein Lebensabschnitt zu Ende.“ An das Gefühl, wenn der Vorhang zum letzten Mal fällt, mag sie noch nicht so recht denken: „Das ist die Nuss, die ich zu knacken habe.“

Mit 72 Jahren, denkt die beliebte Darstellerin, sei es an der Zeit, Schluss zu machen. „Nach einem arbeitsreichen Leben möchte ich jetzt auch Zeit für mich haben“, erzählt sie.

Erika Ritterhoffs Bühnenkarriere begann eher zufällig. „Ein Mädchen war ausgefallen, und ein Bekannter empfahl mich“, blickt sie zurück. Hoffentlich ist das keine Eintagsfliege, habe es damals geheißen. „War es aber ja nicht, sondern eine 50-Jahre-Fliege“, sagt die Delmenhorsterin schmunzelnd. In derselben Spielzeit übernahm sie in zwei weiteren Produktionen Rollen.

Anfangs spielte sie noch im Arthur-Fitger-Haus am Marktplatz. Im Foyer standen rote Plüschsessel, an den Wänden hingen Schwarz-Weiß-Fotografien von Filmschönheiten wie Ruth Leuwerik. Später fanden die Aufführungen des Niederdeutschen Theaters im Kleinen Haus statt.

Viele Rollen übernahm Ritterhoff in den vergangenen fünf Jahrzehnten. „Ich habe eigentlich alles gespielt, was man spielen kann“, erzählt sie. In jungen Jahren waren das häufig „leichte Mädchen“, die den Männern die Köpfe verdrehten. Später stand sie auch als Putzfrau („Fro Pieper lävt gefährlich“) und Schnapsdrossel („Dat Kuckucksei“) auf der Bühne.

Ihre ersten Auftritte absolvierte Ritterhoff noch auf Hochdeutsch. „Ich konnte kein Platt“, erinnert sie sich. „Vom Hören hatte ich es aber gut im Ohr, so dass ich in meinem dritten oder vierten Stück eine plattdeutsche Rolle übernahm.“

Die Verbindung zur Bühne bleibe natürlich auch nach ihrer letzten Aufführung weiter bestehen, versichert Ritterhoff. „Ich kann zu den Proben gehen und werde auch weiter ins Theater gehen“, kündigt die 72-Jährige an. Schon als Schülerin am Willms-Gymnasium hatte Erika Ritterhoff ein Theater-Abo. Und auch heute besucht sie mit ihrem Ehemann Franz-Josef gerne Theater-Gastspiele in Delmenhorst.