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Theater Wo Original und Fälschung miteinander verschmelzen

Mirja Zipfel

DELMENHORST - Heinz Erhardt lebt. Das glauben Sie nicht? Natürlich ist es nicht der leibhaftige, der dort am Montagabend mit seiner schwarzen Hornbrille auf der Theaterbühne des Kleinen Hauses steht. Das Original ist bekanntlich schon ein Weilchen tot. Doch in Schauspieler Thomas Glup hat der Wortjongleur und Meister der Bonmots einen würdigen Nachfolger gefunden.

Perfekte Täuschung

Nicht unbedingt ein optischer Doppelgänger – dafür ist Glup zu schlank, zu groß und zu jung – aber dennoch darf man getrost von einem Unikat sprechen. Die für Erhardt typischen Verhaltensmuster – der stets seitlich geneigte Kopf, die unverkennbaren Gangart (die immer ein wenig an einen Pinguin erinnert) und natürlich d i e s e Stimme – hat der aus Essen stammende Komiker in mehr als 20 Jahren geradezu auf die Spitze getrieben. Eine perfekte Täuschung, die nur diese eine Schlussfolgerung zulässt: Heinz Erhardt lebt!

Dem Publikum muss es ähnlich ergehen – immer wieder brandet begeisterter Szenenapplaus auf. Dann, wenn die Illusion am größten ist. Fast zur Nebensache gerät dabei das Stück, das den launigen Titel „Der Ferienkönig“ trägt – eine harmlose Verwechslungskomödie in Zeiten des Wirtschaftswunders.

Thomas Glup spielt den deutschen Versicherungsagenten Heinz Weiss, der an die Côte d’Azur geschickt wird, um Aufträge an Land zu ziehen. Irrtümlicherweise hält ihn die mondäne Gesellschaft für einen echten Kronprinz, der ebenfalls in Südfrankreich weilt. Das Ganze ist gespickt mit Stereotypen. Es gibt die Guten und die Bösen: ein durchtriebenes Fräulein an der Rezeption, einen exzentischen und schwerreichen Amerikaner, eine geldgierige Mutter mit ihrer verliebten Tochter und einen ehrenwerten Monarchen. Mittendrin in der illustren Runde befindet sich dieser naiv-trottelige Versicherungsvertreter, der den Handlungsstrang durch seine Dichtkunst und Unsinns-Dialoge immer wieder zum Erliegen bringt. „Mister Weiss, was würden Sie jetzt zu einem Whiskey sagen?“ – „Ja, was würde ich sagen? Hallo Whiskey vielleicht?“ Kalauer, über die man gemeinhin nur müde lächeln würde, aber einem Heinz Weiss alias Heinz Erhardt gerne verzeiht.

Feuerwerk an Witzen

Dann, als die Verwechselung in vollem Gange und das Tür-auf-Tür-zu-Spiel auf dem Höhepunkt angekommen ist, zündet Glup (beziehungsweise Erhardt) ein Feuerwerk von Aphorismen und Lebensweisheiten. Salve für Salve – egal ob Zote, Spruch oder feinsinniger Wortwitz. Nachahmer und Original sind quasi eins. Das Publikum kommt aus dem Lachen nicht heraus. Es ist ein Stück von und für Heinz Erhardt. Hut ab vor dieser Leistung: Der tiefe Griff in die Klamottenkiste ist nicht immer der schlechteste.

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