Wilhelmshaven -  

Warum sind Sie zum Theater gegangen?

StriebAls Steppke habe ich mal mit meinen Eltern Urlaub in den Alpen gemacht. Da habe ich Bauerntheater gesehen, „Der verkaufte Großvater“. Mein Vater erzählte später, Klein-Olaf habe während der gesamten Aufführung kerzengrade auf der Bierbank gestanden und begeistert und permanent „toll, toll, toll“ vor sich hingemurmelt. Ich fürchte, das war die Initialzündung für mein Interesse am Theater.

Standen Sie auch schon als Kind oder Jugendlicher auf einer Bühne?

StriebJa, so mit zehn, zwölf Jahren ging es los. In meiner Heimatstadt im hessischen Eschwege habe ich einen VHS-Theaterkurs besucht, und bis zum Zivildienst ging das auch so weiter. Von meiner Umgebung mächtig ermutigt, ich sei doch der aufstrebende Schauspieler schlechthin, habe ich mich schließlich landauf, landab bei westdeutschen Schauspielschulen beworben und vorgesprochen.

Und?

StriebIch bin überall mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Da habe ich mir gesagt: Mittelfristig werde ich sowieso Regisseur. Es war gut, dass mir der Zahn so früh gezogen wurde, und ich sage mit dem heutigen Erkenntnisstand: Wenn ich in meiner eigenen Prüfungskommission gesessen hätte, dann hätte ich mich auch überall durchfallen lassen.

Was verdient ein Jungschauspieler denn heute bei Ihnen in Wilhelmshaven?

StriebViel zu wenig! Er bekommt laut Tarifvertrag seit dieser Spielzeit satte 1765 Euro brutto.

Man geht nicht wegen des Geldes zum Theater?

StriebNein. Es ist kein Job, es ist eine Berufung. Und dafür muss man auch eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen.

Hand aufs Herz: Warum sollte der Zuschauer lieber zu einer der Aufführungen der Landesbühne Nord gehen, als gemütlich vor dem Fernseher zu sitzen?

StriebWas für eine Frage! Abgesehen von den öffentlich-rechtlichen Sendern sorgen doch die meisten Privatsender für eine zunehmende Verblödung! Das meiste im Fernsehen ist niveaulos, je dümmer und primitiver, desto besser. In vielen Reality-Shows und sogenannten Doku-Soaps wird doch mit Laiendarstellern nur etwas Belangloses billig produziert. Da kann man lieber im Theater ein unzeitgemäßes Originalgeschehen genießen: prodesse et delectare – wir sind nützlich und unterhaltsam. Und ich behaupte mal: Wir haben Niveau!

Sie führen auch mal auswärts Regie, inszenieren zum Beispiel in Kiel eine Oper. Ist man denn als Intendant in Wilhelmshaven nicht ausgelastet?

Strieb(lacht) Doch, doch. Ich bin in Wilhelmshaven sogar mehr als ausgelastet. Aber ich gestehe, ich habe vor langer Zeit das Wahnsinnsangebot bekommen, meine erste Oper inszenieren zu dürfen, und dann noch ausgerechnet „Nabucco“ an der Oper Kiel! Da konnte ich nicht Nein sagen.

Lade ...

Heute Premiere IM WESTEN NICHTS NEUESWir freuen uns, heute vor der Premiere IM WESTEN NICHTS NEUES gemeinsam mit der...

Posted by Landesbühne Niedersachsen Nord on Samstag, 5. September 2015