Oldenburg/Berlin - Klingt wie eine schmeichelhafte Übertreibung, ist es aber nicht: Der Umgang mit Sprache ist für John von Düffel nicht bloß ein Beruf – ach was, es sind gleich mehrere –, sie ist gewissermaßen sein Leben. Er ist Schriftsteller, Dramatiker und Dramaturg sowie obendrein Dozent für Szenisches Schreiben. Mehr Sprache geht nicht.
Besondere Heimkehr
Was Folgen für seine Alltagssprache hat und Interviewern das Leben erleichtert, denn von Düffel, der derzeit als Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin arbeitet, spricht druckreif. So sind es nicht einfach nur Heimatgefühle, die ihn mit Oldenburg verbinden und die sich einstellen, wenn er „mit dem geliehenen Hollandfahrrad über die ebenen Radwege der Stadt fegt“, sie überkommen ihn auch mit „nostalgischer Macht“. Und dass er seiner Sehnsucht nicht nachgibt, hat mit seiner Angst zu tun, dass die Gefühle auf Dauer nicht tragen könnten. Also bleibt er weiterhin in Potsdam/Babelsberg wohnen und die Idee „im Stadium der Koketterie“.
Klingt vielleicht wieder etwas übertrieben, ist es aber auch diesmal nicht. John von Düffel, 1966 in Göttingen geboren, ist einige Jahre in Oldenburg aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ende der 90er Jahre, noch in der Ära von Intendant Stephan Mettin, war er Dramaturg am Oldenburgischen Staatstheater. Als er von 2000 bis 2009 in derselben Funktion am Thalia-Theater in Hamburg tätig war, erarbeitete er unter anderem die erste Bühnenfassung von Thomas Manns „Buddenbrooks“, die am 3. Dezember 2005 uraufgeführt wurde. Inzwischen wurde sie bundesweit an zahlreichen Theatern gezeigt und ist gerade erfolgreich in Oldenburg auf die Bühne des Staatstheaters gekommen – eine „Heimkehr“ der besonderen Art.
Von Düffels Verbindungen zu Oldenburg sind nicht nur emotionaler, sondern auch familiärer Natur: Von Düffels Vater lebt noch in der Stadt und ebenso die „große Familie“ seiner Frau. Auch zu Lesungen wird er immer wieder eingeladen, denn von Düffel ist als Romanautor nicht weniger erfolgreich und gefragt.
Inklusive Probenprozess habe die Arbeit an Thomas Manns Roman – ein „Urmodell des Familienromans“ – ein Jahr lang gedauert, erzählt der Schriftsteller. Zunächst galt es, die „Makroentscheidung“ zu treffen, das heißt die Handlung auf die drei Geschwister Thomas, Christian und Toni zu konzentrieren, dann seien alle folgenden „Mikroentscheidungen“ schon viel leichter gefallen.
Hohe Sprache
Die Sprache Thomas Manns, der für seinen anspruchsvollen Satzbau bekannt ist, war für von Düffel kein Hinderungsgrund. Das Theater vertrage eine hohe Sprache, sagt er, man müsse sie „nicht herunterkochen auf Seifenoper-Dialoge“. Anders als der Film gebe es im Theater keine Verpflichtung zum Sprachrealismus.
Noch hat der Autor die Oldenburger Aufführung der „Buddenbrooks“ nicht gesehen, will das aber auf jeden Fall nachholen. Dass sie gelungen ist, hat er erfreut zur Kenntnis genommen. Denn Oldenburg ist ihm noch einmal wichtiger als etwa Hof oder Braunschweig, „weil ich mich mehr mit der Stadt identifiziere“. Und gut, „dass man sich nicht für irgendetwas schämen muss“.
