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NWZonline.de Nachrichten Kultur Theater

Vergebliches Streben nach Glück

18.09.2017

Wilhelmshaven Seine Feuertaufe hat Sascha Bunge, neuer Oberspielleiter der Landesbühne Nord, am Samstag bestanden. Erstmals hat er für das Wilhelmshavener Publikum ein Stück inszeniert – und das wurde dank einer hervorragend aufspielenden Aida-Ira El-Eslambouly und einem starken Ensemble zum Erfolg. Noah Haidles „Götterspeise“ versinnbildlicht den amerikanischen Traum und das Streben nach Glück.

Ein fröhlicher Abend sollte es nicht sein. Wie könnte es auch, endet das Leben der Protagonistin doch so tragisch. Das Leben von Constant (Aida-Ira El-Eslambouly) rutscht in den Abgrund: Zunächst hat sie noch ihren Traumjob – sie teilt das Essen in einer Schulkantine aus, will aber lieber den Speiseplan revolutionieren –, dann wird sie von einem verheirateten Mann geschwängert und sitzengelassen, verliert erst ihre Stelle, dann ihre Tochter und am Ende ihr Leben.

Trotzdem ist eines an dieser Frau bemerkenswert: Sie verliert nie die Lust am Leben und das Vertrauen in ihre Mitmenschen. Constant will nur Liebe und Mitgefühl schenken und die Welt besser machen – mit großen Worten und noch größeren Rezepten.

Mit Aida-Ira El-Eslambouly hätte diese Rolle nicht besser besetzt sein können. Kaum jemandem gelingt es, in solcher Perfektion zwischen Wut, Verzweiflung, Zuneigung, Liebe und Empathie zu wechseln. Der minutenlange Applaus am Ende war hochverdient, steht sie schließlich die kompletten zwei Stunden ununterbrochen auf der Bühne.

Wunderbar getragen wird die Einzelleistung vom restlichen Ensemble. Aom Flury mimt überzeugend die Chefs von Constant, Timon Ballenberger zeigt bestens seine schnöselige Seite als Steve oder als weinerlichen Gefängniswärter, der es hasst, Delinquenten auf ihren letzten Weg zu begleiten, und Sven Heiß gelingt perfekt die Darstellung des (reuigen) Familienvaters. Ramona Marx kann herrlich den verschrobenen Charakteren Helen, Billie und Vee Leben einhauchen. Mit Johanna Kröner bekommt Aida-Ira El-Eslambouly eine starke Partnerin. Diese spielt sowohl die Freundin Sylvia überzeugend wie auch die Psychiatriepatientin Sylvie, zeigt ihr Können aber so richtig als Constants Tochter.

Mit der im wahrsten Sinne des Wortes plakativen Botschaft, dass jeder Mensch das Recht auf Freiheit, Leben und das Streben nach Glückseligkeit hat, wie es schon 1776 in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung festgehalten wurde. Mit „Götterspeise“ wird aber deutlich, dass Sascha Bunge nicht der Regisseur für nettes Wohlfühl­theater ist. Da werden doch recht deutlich Leute verprügelt oder mit heißem Fett übergossen. Der neue Oberspielleiter bringt einen neuen Farbton in die schon recht bunte Welt der Landesbühne.

Bühnenbildnerin Angelika Wedde hat eine Kulisse geschaffen, die sowohl Schulkantine, Gefängnis oder Psychiatrie sein kann. Für die musikalische Untermalung einiger Szenen zeichnet Stefan Faupel verantwortlich.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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