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NWZonline.de Nachrichten Kultur Theater

Liebenswerte Betrüger in Erklärungsnot

04.04.2017

Oldenburg Erich Schwarz steckt tief in der Klemme. Seit Jahren kassiert er unberechtigt Geld vom Sozialamt und vom Arbeitsamt. Nun steht plötzlich ein Prüfer der Sozialbehörde vor der Tür, der eine Unterschrift von Herrn Thomsen haben will. Der frühere Untermieter ist nach Kanada ausgewandert, aber Erich hat weiter dessen Arbeitslosengeld kassiert. „Es ist ein Albtraum“, klagt Erich seinem Untermieter Norbert Dobermann, den er bei den Behörden längst für tot erklärt hat, sein Leid mit dem Geldsegen aus staatlichen Töpfen.

Bernd Poppe als verzweifelter Betrüger, Cay-Hendryk Meyer als liebenswert trotteliger Mitwisser wider Willen und Mario Forkel als pedantischer Behördenvertreter sind große Klasse in der niederdeutschen Inszenierung „Cash – un egaalweg pladdern de Moneten“, die am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatstheaters Premiere feierte. Unter der Regie von Alexander Marusch serviert die August-Hinrichs-Bühne zum Abschluss der Spielzeit ein furioses Spektakel. Das Premierenpublikum belohnte das mit großer Spielfreude und vollem Körpereinsatz agierende Ensemble mit tosendem Applaus.

In dieser Verwandlungs- und Verwechslungskomödie von Michael Cooney geht es drunter und drüber. Kaum ein Zuschauer wird nach zwei turbulenten Stunden noch wissen, wer eigentlich wer ist. Denn damit sein lukratives Betrugsprojekt nicht zusammenbricht, nimmt Erich die Rolle seines ehemaligen Untermieters Thomsen an, Onkel Georg (Dieterfritz Arning in Höchstform) muss Erichs Part übernehmen. Beide verbindet ein einträgliches Geschäft mit Perücken und Stützstrümpfen, die staatliche Stellen auf Antrag großzügig zur Verfügung gestellt haben. Norbert Dobermann, in Betrugsdingen auch nicht ganz unerfahren, schlüpft in die Rolle eines erfundenen Bruders und muss sich prompt der Fürsorge der Sozialarbeiterin Nele Schönfeld (Birgit Heim schön schrill) erwehren.

Die drei haben in dem Irrsinn längst den Überblick verloren, als sie das Schlafzimmer und die gute Stube unter Quarantäne stellen, um den Spürsinn von Amtmann Janssen in Grenzen zu halten. Erichs misstrauische Ehefrau Linda (Manuela Simon überzeugt auf ganzer Linie) wird kurzerhand zu Dobermanns Witwe erklärt, die angeblich nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.

Der von Linda ins Haus geholte Eheberater Dr. Kaufmann (Heinz-Dieter Grein herrlich komisch) enttarnt Erich als Transvestit und sorgt damit für weitere Missverständnisse. Als dann auch noch der Bestatter Firmenich (Heinz Backhus ein ruhender Pol im Trubel), Norberts Verlobte Berta (Gesa Schieren­stedt ganz wunderbar naiv) und Amtsleiterin Frau Kuhlmann (Karin Bremermann schön streng) auftauchen, scheinen die absurden Verwicklungen und der Frontalangriff aufs Zwerchfell gar kein Ende nehmen zu wollen.

Bewundernswert ist das temporeiche Spiel aller Akteure. Mario Forkel und Cay-Hendryk Meyer begeistern mit einigen fulminanten Slapstick-Einlagen, Dieterfritz Arning beweist als vermeintlich Toter unter einer Wolldecke und auch als beseelter Sirtaki-Tänzer Durchhaltevermögen. Glänzend gelingt es allen Akteuren, munter aneinander vorbeizureden und sich in Zweideutigkeiten zu überschlagen.

Es ist nichts so, wie es auf den ersten Blick aussieht – aber ein großer Theaterspaß.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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