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„il Tabarro“ Und „gianni Schicchi“ In Bremen Puccini-Oper als Filmproduktion

Wolfgang Denker

Bremen - Regisseur Martin G. Berger hat im Bremer Theater den Versuch unternommen, „Il Tabarro“ und „Gianni Schicchi“ von Giacomo Puccini mit einem Trick zu einer Einheit zu verschmelzen: Die Personen des „Gianni Schicchi“ sind hier Filmleute, die den gesellschaftskritischen Film „Il Tabarro“ drehen. Es ist ein Film mit deutlichen Anspielungen an „Der Swimmingpool“ (mit Romy Schneider und Alain Delon). Bei den Dreharbeiten stirbt der Geldgeber Buono Donati.

Brücke geschlagen

Damit ist die Brücke zum „Gianni Schicchi“ geschlagen, denn Donati ist der Tote, dessen Testament im „Gianni Schicchi“ gefälscht wird. Dieser Übergang zwischen den ohne Pause gespielten Opern ist gut gelungen. Aber um welchen Preis!

Während des gesamten „Tabarro“ ist das Geschehen auf der Bühne nur schemenhaft durch einen Gaze-Vorhang zu sehen. Auf der Bühne (Sarah-Katherina Karl) befindet sich besagter Swimmingpool. Puccini hat in seiner Musik aber das fließende Wasser der Seine so deutlich komponiert – da ist der Pool keine wirkliche Alternative. Zwei Live-Kameras übertragen vorwiegend die Gesichter der Sänger auf eine Leinwand.

Eine ganze Oper nur als Projektion ist ermüdend. Ton und Bild sind dabei auch noch immer um Sekundenbruchteile auseinander. Immer wieder wird die Musik unterbrochen, wenn jemand aus dem Film-Team „Cut!“ und „Action!“ ruft.

Dass am Ende doch ein wenig Spannung aufkommt, ist vor allem den guten Leistungen von Loren Lang als Michele, Patricia Andress als Giorgetta und Luis Olivares Sandoval als Luigi zu danken.

Lang ist für den alternden Michele eine gute Besetzung, er gestaltet die Partie sehr differenziert und glaubwürdig. Sein Monolog „Nulla! Silenzio!“ besticht durch Intensität. Luis Olivares Sandoval singt den Luigi mit lodernder Leidenschaft und kraftvollem Tenor. Wenn sich seine Stimme mit der von Patricia Andress im Liebesduett vereint, bleiben kaum Wünsche offen.

Zwiespältiger Eindruck

Wohl aber an die musikalische Leitung von Hartmut Keil, denn Puccinis feine, raffinierte Stimmungsmalerei geht in seiner Einheitslautstärke ziemlich unter. Erst im dramatischen Schluss kann Keil überzeugen. Aber vielleicht ist der zwiespältige Eindruck auch ein wenig der Regie anzulasten, denn die Sänger sind oft so ungünstig postiert, dass es zulasten der Balance zwischen Stimmen und Orchester geht.

Auch beim „Gianni Schicchi“ führen die Vorstellungen des Regisseurs zu wiederholten Unterbrechungen der Musik. Zwar wird auf Videotechnik hier weitgehend verzichtet, und die Handlung spielt sich „normal“ auf der Bühne ab. Aber bei Berger hat Donati seinen Tod nur vorgetäuscht, um die Reaktion seiner Verwandten (hier des Filmteams) zu testen.

Der Schauspieler Mateng Pollkläsener tritt als quicklebendiger Donati immer wieder unterbrechend auf, auch um Sätze wie „Darf man Zigeunerschnitzel sagen?“ anzubringen. Gleichwohl spielt sich die Komödie turbulent und mit viel Aktion ab, auch wenn man den feineren Witz vermisst.

Vom Klang und der Dynamik liegt Keil hier besser als beim „Tabarro“. Seine Wiedergabe hat Tempo und Drive. Mit Patrick Zielke steht ein Vollblutkomödiant als Gianni Schicchi auf der Bühne. Seine lässige und spitzbübische Lesart der Partie kann überzeugen. Nerita Pokvytytè singt als Lauretta die Arie „O mio babbino caro“ mit der ansprechenden Leichtigkeit, die Sandoval in der Partie des Rinuccio vielleicht etwas fehlt.

Am Ende begeisterter Beifall für die Sänger, für die Regie gab es auch ein paar Buhrufe.

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