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NWZonline.de Nachrichten Kultur Theater

Regie holt Götter in Oldenburg auf die Erde

06.02.2017

Oldenburg Thomas Mann mag ja vom „Beziehungszauber“ in Richard Wagners vierteiligem Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ geschwärmt haben. Doch dem Anfang des „Rheingolds“, dem Vorabend zu den Opern „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“, im Großen Haus in Oldenburg wohnt erst einmal kein Zauber inne – doch er entwickelt sich.

„Walküre“ Im September

Bis 2019 wird der „Ring des Nibelungen“ mit den Opern „Die Walküre“ (September 2017), „Siegfried“ (2018) und „Götterdämmerung“ eingespielt. In der Spielzeit 2020/21 führt das Staatstheater ihn komplett auf. Anlass ist das Jubiläum „100 Jahre Oper in Oldenburg“.

Sechsmal steht „Das Rheingold“ im Februar und März auf dem Spielplan. Im Februar am 15. und 25. sowie am 4., 10., 19. und 30. März.

Regisseur Paul Esterhazy holt Götter und Halbgötter rigoros auf die Erde. Dieser Effekt der Entmystifizierung verstört eine Weile. Doch er führt den mit zweieinhalb Stunden Spieldauer kürzesten „Ring“-Teil steil zu seiner zupackenden Faszination.

Alpines Dorf

Die Regie verhüllt die Geschichte vom Raub des Goldschatzes, dem Schmieden des Allmacht verleihenden Ringes und dem Fluch, den Alberich auf ihn legt, nicht im wabernden Nebel grauer Vorzeiten und mystischer Welten. Die Göttersippe agiert in der abgeschiedenen Gesellschaft eines alpinen Dorfes. Die Blicke auf banale und boshafte Charaktere sind scharf, vulgär und hellsichtig.

Esterhazy hat Wagners Musik intensiv zugehört. Da muss er nichts überinszenieren, nichts mit gesuchter Bedeutung aufladen. Trotzdem behält dieses Welttheater seinen Geheimniszauber.

Mitten im Es-Dur-Raunen allen Entstehens schlägt auf der Bühne ein Türchen auf. Auf dem Lokus sitzt Alberich und arbeitet sich an einem Porno ab. Ein einsamer Mann am einsamsten Ort des Hauses. Wenn sich die Bühne weiterdreht, kommen die Rheintöchter ins Bild. Es sind keine Nixen, sondern Wäscherinnen. Sie schrubben alles, Leinen und Leichen.

Der Fortgang ist bekannt: Der hässliche Zwerg macht sich an das Trio heran, wird abgewiesen und gedemütigt. So entscheidet er sich gegen Liebe und Bindungen. Dafür stiehlt er den Goldschatz aus diesem stillsten Ort und terrorisiert fortan seine Welt mit Macht und Gier. Die Konflikte bis zum Niederbrennen von Walhall sind geschaffen.

Für die Drehbühne hat Mathis Neidhardt Räume und Gassen entworfen, auch einen Trakt mit der vorkapitalistischen Gold-Produktionsstätte Nibelheim. Es gibt keine untere Welt mit dem Grund des Rheins und keine Götterburg über den Wolken. Doch durch die Technik des horizontalen Raum- und Zeitwechsels stoßen sich Musik und Handlung gegenseitig an.

Gast Johannes Schwärsky als Alberich und das Staatsorchester unter Hendrik Vestmann sind die herausragenden musikalischen Größen. Schwärsky beherrscht in seinem Bassbariton die unendlichen Facetten zwischen Hass und Hässlichkeit. Den Fluch über den Ring schleudert er mit Urgewalt heraus.

Daniel Moon als Obergott Wotan und Timothy Oliver als windiger Loge bringen Wohlklang ins Spiel. Doch sie müssten farbliche Valeurs giftiger ausreizen, um weniger smart zu wirken. Das Ensemble mit neun hauseigenen und fünf gastierenden Sängern charakterisiert die Figuren angenehm unangestrengt: Melanie Lang (Fricka), Sarah Tuttle (Freia), Ann-Beth Solvang (Erda) Randall Jakobsh und Ill-Hoon Choung (Riesen Fasolt und Fafner), Timo Schabel (Mime), Aarne Pelkonen (Donner), Philipp Kapeller (Froh) sowie Sooyeon Lee, Anna Avakian und Julia Faylenbogen (Woglinde, Wellgunde und Floßhilde).

Beseelte Momente

Die Orchesterfassung mit 65 Musikern kommt den Sängern entgegen. Es fehlt trotzdem nicht an Wucht, aber der Klang klumpt nie. Vestmann schärft die Konflikte, ohne die beseelten Momente zu überspielen. Statt pathetisch aufgebauschter Großräumigkeit fasziniert ein federndes und gestisch vielfältig gegliedertes Musizieren.

Es gibt diese irgendwie bestellt wirkenden „spontanen“ Bravo-Rufe – aber dann herzlichen, begeistert anschwellenden und lang anhaltenden Beifall.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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