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NWZonline.de

Das Summen der Drohnen

09.06.2015

In der nordwest-deutschen Ortschaft wurde heute nachmittag das erste Einzelhandelsgeschäft mit einem großen Volksfest eröffnet. Nach dem in ganz Deutschland zu verzeichnenden Einzelhandelssterben ab 2018 musste das letzte Geschäft in der Gartenallee – ehemals eine belebte Einkaufsstraße – im Jahr 2028 schließen. Es handelte sich um einen Bäckerladen, der bis zum wirtschaftlichen Exitus versuchte, seine Brote und Brötchen zu verkaufen. Nur noch einige alte Menschen waren bereit, mit ihren Rollatoren den Weg zum Bäcker zu Fuß zu bewältigen. Die „DBLG“, die Drohnen-Backwaren Liefergesellschaft, lieferte schon seit 2023 an fast alle Haushalte Brot und Brötchen per Drohne direkt ins Haus zum Endverbraucher.

Jahrelang hatte die Gemeinde versucht, sich dem Einzelhandelssterben entgegenzustellen. Die völlige Verödung der Gartenallee wurde nur unterbrochen durch das zentral gelegene Rathaus, in dem ab 2028 allerdings auch nur noch drei Mitarbeiter in einem Servicebüro arbeiteten, während alle anderen Dienstleistungen vom Bürger online erledigt wurden. Früher als Einzelhandelsgeschäfte genutzte Läden wurden in den letzten Jahren zu barrierefreien Seniorenwohnungen umgebaut, jede Wohnung verfügt über einen Drohnenlieferlandungsplatz direkt vor der Haustür.

Allerdings begann die Lebens- und Wohnqualität extrem zu leiden. Dieses war zum einen bedingt durch fehlende Kommunikationsorte, zum anderen waren die Ängste der Bewohner hoch, vor die Haustür zu gehen, da bei dem extremen Drohnenverkehr in der Luft immer wieder Fluggeräte mit Passanten kollidierten und diese extrem verletzten. Die ständigen surrenden Drohnengeräusche ließen darüber hinaus so manchen Bürger wehmütig an frühere Zeiten erinnern, als noch benzingetriebene Pkw durch den Ort fuhren.

Wurde die Eröffnung des ersten Drohnenlieferlandeplatz auf dem Rathausmarkt im Jahre 2022 noch als bedeutender Schritt in die Zukunft gefeiert und der Rathausplatz in „Drolila 1“ umbenannt, gipfelten die Proteste 2030 in der Bürgerbewegung „Leben ohne Drolila“.

Die heutige Eröffnung des ersten Handelsgeschäftes gibt auch dem Rat der Gemeinde Hoffnung. Hierzu der Bürgermeister in einem Interview: „Wir wollen jetzt nach vorne schauen und unseren Ort wieder beleben. Wenn wir uns gemeinsam anstrengen, gelingt es uns vielleicht auch, wieder einen Unternehmer zu finden, der bereit ist, einen Supermarkt, wie es ihn früher häufiger gab, anzusiedeln.“ „Vielleicht,“ so der Bürgermeister nachdenklich, „hätten wir uns in den Jahren ab 2015 alle gemeinsam mehr mit den Chancen und Risiken des Onlinehandels auseinander setzen sollen…..“

(zum Autor: Hans-Werner Aschoff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg GmbH (WLO), Wildeshausen)

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