Frage: Was bedeutet der Begriff Bauökologie?

Christian Sommer: Bauökologie beschäftigt sich mit der Planung und Errichtung aber auch Verwendung von Baustoffen unter ökologischen Aspekten, wie zu Beispiel der Verwendung naturnaher Baustoffe aber auch der besseren Wiederverwertbarkeit – Stichwort Recycling. Ein Teil davon sind Farben, Lacke und Putze, die meist auch durch ihre Zusammensetzung einen positiven Effekt auf die Wohngesundheit haben.

Frage: Welchen Stellenwert haben diese Farben und Lacke?

Christian Sommer: Bisher ist es noch ein Randbereich. Aber sie geraten auch bei den großen Herstellern immer mehr in den Fokus, da auch die Verbraucher bewusster werden. Wenn wir uns vorstellen, dass wir bis zu 90 Prozent unserer Zeit in geschlossen Räumen verbringen, wird das auch Zeit.

Frage: Müssen für den Innenbereich bestimmte gesundheitliche Aspekte bei der Auswahl des Lacks oder der Farbe berücksichtigt werden?

Christian Sommer: Ja. Farben für den Innenbereich müssen dafür zugelassen sein. Man darf also zum Beispiel keine Außenlasur mit fungiziden Eigenschaften im Innenraum verwenden. Allerdings sollten sich Verbraucher auch mit diesen Produkten kritisch beziehungsweise bewusst auseinandersetzen. Denn es gibt zwar gesetzliche Mindestmengen oder Verbote für Weichmacher und andere schädliche Stoffe in Lacken für Kinderspielzeug – diese gelten aber nicht für Baustoffe und Farben, die im Kinderzimmer an Wand, Decke und Boden verarbeitet werden. Hier kommt dem Fachhandwerker besondere Bedeutung zu, denn er kennt sich in der Welt der Farben aus und kann die Kunden dementsprechend beraten und ein passendes Angebot mit Alternativen finden.

Frage: Was sind das für Alternativen und wo werden diese angewendet?

Christian Sommer: Das sind vor allem Beschichtungsstoffe mit reduzierten Mengen dieser problematischen Stoffe, aber auch lösemittel- und weichmacherfreie Farben und Lacke. Zu guter Letzt gibt es auch eine komplette Palette an Farben, Lacken, Putzen und Spachtelmassen auf Basis rein natürlicher Inhaltsstoffe. Mittlerweile reicht das Anwendungsgebiet von natürlichen Materialien von Innen- und Fassadenfarben, Putze, Spachteltechniken bis hin zu Lacken für Holz und Metall. Natürliche Stoffe können nicht immer alle Funktionen erfüllen, so sind manche beispielsweise nicht ölbeständig – aber wenn die Anforderung erfüllt wird, sollten natürliche Beschichtungsstoffe die erste Wahl sein, da sie optisch und bei der Gestaltung unheimliche Vorteile bieten und keine negativen Inhaltsstoffe für die Gesundheit haben. Optisch unschlagbar liegen diese Farben und Beschichtungsstoffe voll im Trend und bieten neue Möglichkeiten der Oberflächengestaltung.

Frage: Wie genau sehen diese Trends aus und wie werden dort Vorteile geboten?

Christian Sommer: In den vergangenen Jahren nahm auch seitens der Architektur die Oberflächengestaltung eine immer geringere Rolle ein. Schnell zu verarbeiten, funktionell und smart sollte es sein, einheitlich und puris tisch. Glatte Fläche ohne Struktur, nackte Betonflächen, Weiß und Grau, alles vernetzt – das war der vorgegebene Trend. Gerade hier spielen die natürlichen Farben ihre Vorteile aus und setzen einen Gegentrend. Natürlich wirkende Oberflächen in Verbindung mit Holz schaffen dagegen eine angenehme und ruhige Wohlfühlatmosphäre, strukturierte Wände reduzieren automatisch den Schallpegel und schaffen Effekte und Tiefenwirkung auf den Oberflächen. Natürliche Pigmente haben von „Natur aus“ aus die entsprechende Farbwirkung, welche versucht wird, durch künstliche Pigmente in konventionellen Farben nachzuahmen. Baustoffe wie Lehm regeln die Luftfeuchtigkeit automatisch in den optimalen medizinischen Bereich. Auf Silikatfarben kann durch seine Zusammensetzung von vornherein kein Schimmel entstehen.

Frage: Zu den Schmuck- und Veredelungsmöglichkeiten gehören unter anderem auch dekorative Spachteltechniken. Gibt es auch hier Alternativen?

Christian Sommer: Ursprünglich waren diese Spachteltechniken meist sowieso alle aus natürlichen Materialien wie Kalk, Marmormehl oder Lehm. Im Laufe der Zeit wurde immer mehr mit Kunststoffen vergütet zur leichteren Verarbeitung. Meist werden bei Spachteltechniken auf Naturstoffbasis die Pigmentpulver separat eingemischt, was viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Optisch gilt das gleiche wie für die Farben: Es wirkt natürlicher und angenehmer. Auch altüberlieferte Techniken, wie beispielsweise Tadelakt – eine traditionelle marokkanische Spachteltechnik – für Nassräume, Waschbecken, Duschen sind Alternativen – wasserfest und natürlich.

Frage: Sollten die Arbeiten Ihrer Ansicht nach immer von einem Fachmann erledigt werden, oder wäre das auch für Hobbyhandwerker denkbar?

Christian Sommer: Es ist beides möglich. Natürlich können Farben und Lacke auch von einem Hobbyhandwerker aufgebracht werden. Wer aber die Alternativen kennenlernen will, wer wissen will welche Inhaltsstoffe enthalten sind, wer besondere Gestaltungen und fachgerechte Verarbeitung will, der sollte einen Fachmann und Handwerksbetrieb aufsuchen.