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NWZonline.de

Handwerk und Handel stellen sich neuen Herausforderungen

09.06.2015

Oldenburger Land Der Online-Umsatz am Einzelhandel soll laut Prognosen von aktuell 8 bis 10 Prozent bis 2025 auf etwa 20 Prozent steigen. Die Betriebe im Oldenburger Land müssen sich dieser großen Herausforderung stellen, um die Kunden auch in Zukunft davon zu überzeugen, nicht im Netz, sondern beim Fachmann vor Ort zu kaufen oder Experten mit Facharbeiten zu beauftragen. Wie Handel und Handwerk das Profil schärfen und ihre Kompetenzen so herausstellen können, dass der Kunde überzeugt ist, lautet die Herkulesaufgabe. Wie sich der lokale Handel dafür positionieren muss, erläutert Hans-Werner Aschoff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg GmbH (WLO) in einem aktuellen NWZ-Interview.

Was kann und sollte der Einzelhandel vor Ort tun, um sich gegen den Online-Handel zu wappnen, und was sollten Kommunen tun, um den lokalen Marktplatz zu stärken?

Zunächst geht mein Dank an die NWZ, dafür dass Sie diesem wichtigen Thema eine Sonderbeilage einräumen.

Wir stehen in unserer Gesellschaft in Bezug auf Kommunikationswege und Käuferverhalten vor immensen Veränderungen, wir sind bereits mittendrin in diesem Veränderungsprozess, der in seiner Geschwindigkeit noch extrem zunehmen wird. Heute nicht auf diese Herausforderungen des Marktes zu reagieren, kann man in etwa gleichsetzen mit der Annahme, dass das Internet sich insgesamt nicht durchsetzen wird. Ich glaube nicht, dass man generell jedem Einzelhändler ein pauschales Konzept anbieten kann. Jeder muss für sein Unternehmen überlegen, in wie weit er sich sozialen Netzwerken und Onlineshops öffnet und hierfür Aufwand- und Ertragsbetrachtungen anstellen. Eines kann man aber sicher feststellen: Die Händler eines Ortes müssen sich noch stärker als bislang schon zusammentun, und gemeinsame Strategien entwickeln.

Die jeweilige Kommune sollte stets in diese Gespräche eingebunden werden. Es gibt diverse Ansatzpunkte für eine Kommune – materiell und immateriell- zu helfen und zu unterstützen. Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises fördern wir zum Beispiel Internetauftritte und erstmalige Teilnahmen an Messen und Gewerbeschauen außerhalb des Landkreises. Jede Kommune muss ihren eigenen Weg finden, und wenn es in kleinen Kommunen insbesondere um die Aufrechterhaltung des Angebotes für den täglichen Bedarf geht, sind größere Kommunen auch gefordert, überregional attraktiv zu sein. Einzelhandelskonzepte zu erstellen kann hier ein vernünftiger Weg sein. Kommunen könnten beispielsweise an besonderen Tagen auch gemeindeeigene Räume für Kinderbetreuung (oder Betreuung der Ehemänner) zur Verfügung stellen, während die Eltern in der Stadt bummeln und shoppen.

Bislang wurde beobachtet, dass viele Kunden sich zwar vor Ort informieren und beraten lassen, aber im Internet dann billiger einkaufen. Lässt sich dieser Trend umkehren? Mit welchen Kriterien kann der Marktplatz vor Ort gegenüber den virtuellen Regalen punkten?

Ich glaube nicht, dass dieser Trend grundsätzlich umkehrbar ist. Der Handel kann aber aus meiner Sicht insbesondere damit punkten, dass hier Mensch auf Mensch trifft, und nicht, wie im Onlinehandel Mensch auf Maschine. Mir geht es nicht darum, Menschen zu erziehen und ihnen das „richtige“ Käuferverhalten beizubringen. Der Einzelhandel sollte vielmehr Käufern die Vorteile des Vor- Ort- Angebotes und der individuellen Beratung nahebringen. Denn wenn wir völlig verödete Orte haben, werden wir schmerzlich erfahren, was uns fehlt. Ich würde mich über noch mehr Aktionen freuen, die den Einzelhandel vor Ort stärken. In jedem Einzelhandelsgeschäft ein Schild mit der Überschrift: „Was bin ich Dir wert?“ und prägnanten Aussagen zur Onlinehandelskonkurrenz, oder eine Serie in der NWZ mit Aussagen von Endverbrauchern zum lokalen Einzelhandel würden dem Kunden zumindest immer auf das Problem aufmerksam machen.

Es gibt keine Patentrezepte für den erfolgreichen Widerstand gegen die Onlineriesen. Sind lokale Internet-Marktplätze und Suchmaschinen ein probates Mittel, um lokale Händler wettbewerbsfähiger zu machen?

Die Frage der Installation eines lokalen Internet-Marktplatzes ist sicherlich von der Größe der Kommune abhängig. Ich glaube, solche lokalen Plätze lohnen sich nur, wenn ein vielfältiges Angebot vorhanden ist. Wichtig finde ich für jedes Unternehmen, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie im Netz und in Suchmaschinen optimal gefunden werden können.

Wie kann der Händler die Vorteile der Mobilgeräte für sich nutzen?

Wenn ich Dinge nicht verhindern kann, weil der Markt sie nachfragt, macht es nur Sinn, sich diese Dinge zu eigen zu machen. Wenn ich als Händler also sehe, dass ein Kunde „onlineaffin“ ist, kann ich als Händler mit ihm per Smartphone ins Internet gehen, und Onlinepreise heraussuchen. Das bietet dann zumindest die Möglichkeit, im Kundengespräch die Preisdifferenz zu erläutern.

Müssen Betriebe künftig einen vollwertigen Web-Shop vorhalten??

Auch das kann ich Ihnen nicht pauschal beantworten, aber Pflege des Shops und Verarbeitung der Bestellungen sind ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand, der im Verhältnis zum erwarteten Ertrag stehen muss.

Welche Chancen und Risiken eröffnet die demografische Entwicklung dem Einzelhandel?

Es gibt sicherlich Chancen wie auch Risiken. Eine älter werdende Bevölkerung hat möglicherweise einen stärkeren Wunsch nach persönlichem Kontakt und persönlicher Betreuung. Andererseits sind ältere Menschen auch teilweise in ihrer Mobilität eingeschränkt, so dass sie sich vermehrt Waren direkt nach Hause liefern lassen. Eventuell kann ein Lieferservice des Einzelhändlers vor Ort ein gutes Angebot sein, um auf die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung einzugehen.

Führt die Internet-Konkurrenz sogar dazu, dass Geschäftsleute vor Ort einen neuen Zusammenhalt als Basis für ihren gemeinsamen Erfolg entdecken?

Davon bin ich überzeugt, weil es eine der wichtigsten Maßnahmen für den Einzelhandel vor Ort sein wird. Der Einzelhandel ist heute schon in den Kommunen gut vernetzt über Gewerbe- und Handelsvereine, hier liegt sicherlich hohes Potenzial in gemeinsamen Aktionen und Veranstaltungen. Das geht schon los bei einheitlichen Ladenöffnungszeiten. Ich bin überzeugt, dass der alte Spruch „Gemeinsam sind wir stark“ für den örtlichen Einzelhandel eine ganz zentrale Bedeutung hat.

Frage:
Frage: Bitte vervollständigen Sie den Satz:
Frage: Der stationäre Einzelhandel hat Zukunft, weil…
: ... Einzelhändler kluge Unternehmer sind, die miteinander die notwendigen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft finden werden.
Swantje Sagcob
Redakteurin
Sonderthemen Redaktion
Tel:
0441 9988 4661

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