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NWZonline.de

Handwerk und Handel stellen sich neuen Herausforderungen

09.06.2015

Oldenburger Land Der Online-Umsatz am Einzelhandel soll laut Prognosen von aktuell 8 bis 10 Prozent bis 2025 auf etwa 20 Prozent steigen. Die Betriebe im Oldenburger Land müssen sich dieser großen Herausforderung stellen, um die Kunden auch in Zukunft davon zu überzeugen, nicht im Netz, sondern beim Fachmann vor Ort zu kaufen oder Experten mit Facharbeiten zu beauftragen. Wie Handel und Handwerk das Profil schärfen und ihre Kompetenzen so herausstellen können, dass der Kunde überzeugt ist, lautet die Herkulesaufgabe. Wie sich der lokale Handel dafür positionieren muss, erläutert Carola Havekost, Geschäftsführerin bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) in einem aktuellen NWZ-Interview.

Was kann und sollte der Einzelhandel vor Ort tun, um sich gegen den Online-Handel zu wappnen, und was sollten Kommunen tun, um den lokalen Marktplatz zu stärken?

Der lokale Handel muss sich auf seine Kernkompetenzen zurückbesinnen und ein authentisches Einkaufserlebnis mit Aha-Effekt schaffen. Das betrifft das gesamte Ladenambiente, für das das engagierte fachkundige Personal ebenso steht wie die Gestaltung. Die Chancen des Händlers liegen darin, dass die Kunden die Waren mit allen Sinnen wahrnehmen können (sehen, fühlen, riechen, hören und ggf., schmecken) und sie auch sofort mitnehmen können. Das Angebot ist dafür zielgruppengerecht zu initiieren.

Vor allem die persönliche Atmosphäre im Laden vor Ort und die fachkundige Beratung sind für die Kunden von Bedeutung. Aber auch: Für den Kunden Zeit haben und im Gespräch nach der richtigen Ware zu suchen. So entstehen und vertiefen sich Kundenbeziehungen und Netzwerke. Gleichzeitig aber muss der Einzelhandel aber auch Online präsent sein, denn die Kunden kaufen auf allen Vertriebskanälen ein.

Die Erlebnisse sind aber nicht nur im Laden sondern auch im öffentlichen Raum der Geschäftslagen wichtig. Viele Händler sind schon jetzt in Werbegemeinschaften organisiert und bieten Attraktionen und Erlebnisse an. Oftmals arbeiten sie bei diesen Aktionen gemeinsam mit der Stadt oder Gemeinde (Gemeindemarketing/ Stadtmarketing).

Bislang wurde beobachtet, dass viele Kunden sich zwar vor Ort informieren und beraten lassen, aber im Internet dann billiger einkaufen. Lässt sich dieser Trend umkehren? Mit welchen Kriterien kann der Marktplatz vor Ort gegenüber den virtuellen Regalen punkten?

Das trifft heute so nicht mehr zu. Nach einer Studie des ECC Köln aus dem vergangenen Jahr ist der Online-Kanal mittlerweile der Showroom des stationären Handels. Bei einem Drittel der Käufe im Laden haben sich die Kunden vorher im Online-Shop informiert. Umgekehrt informieren sich nur noch rund 11 % im Laden und kaufen die Ware dann im Internet ein.

Es gibt keine Patentrezepte für den erfolgreichen Widerstand gegen die Onlineriesen. Sind lokale Internet-Marktplätze und Suchmaschinen ein probates Mittel, um lokale Händler wettbewerbsfähiger zu machen?

Lokale Marktplätze können für den stationären Handel eine von vielen wichtigen Maßnahmen sein, um sich zukunftsorientiert am Markt zu positionieren. Ganz besonders wichtig ist es allerdings, dass die Betriebe im Internet präsent sind und dort mit ihren Angeboten und Marken auch gefunden werden. Dazu muss der Internetauftritt des Betriebes sowohl für Suchmaschinen optimiert sein als auch für mobile Endgeräte.

Wie kann der Händler die Vorteile der Mobilgeräte für sich nutzen?

Die technische Entwicklung von Smartphones und anderen Mobilendgeräten wird sich weiter fortsetzen und die Kunden werden alle Vertriebskanäle nutzen. Die Händler müssen daher die damit verbundenen Chancen für sich nutzen. Dafür müssen sie im Internet mit ihren Auftritten auffindbar sein und diesen auch auf mobile Endgeräte ausrichten.

Müssen Betriebe künftig einen vollwertigen Web-Shop vorhalten?

Ein vollwertiger Webshop ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Er muss in jedem Fall professionell sein. Das ist vergleichbar mit dem Aufwand für eine zusätzliche Filiale. Dies kann nicht jeder inhabergeführte Betrieb leisten. Es sollte jedoch in jedem Fall jeder Betrieb künftig eine eigene Internetseite haben. Auch kann es für die Händler ein Ansatz sein, sich einem lokal ausgerichteten Online-Marktplatz anzuschließen und an sozialen Netzwerken teilzunehmen.

Welche Chancen und Risiken eröffnet die demografische Entwicklung dem Einzelhandel?

Die nachfolgenden Generationen werden intensiver als bisher über den Vertriebskanal Internet einkaufen und hierfür auch mobile Endgeräte benutzen. Gleichzeitig wird der demografische Wandel und die alternde Gesellschaft Angebote in räumlicher Nähe nachfragen. Ich bin mir sicher, dass es auch zukünftig stationären Handel geben wird. Denn der stationäre Handel bietet ein persönlicheres Einkaufserlebnis als der Vertriebskanal Internet.

Führt die Internet-Konkurrenz sogar dazu, dass Geschäftsleute vor Ort einen neuen Zusammenhalt als Basis für ihren gemeinsamen Erfolg entdecken?

Es gibt bereits seit Jahren in den Kommunen Handels- und Gewerbevereine, in denen die Händler zusammenarbeiten. Diese Zusammenschlüsse begrüße ich sehr. Denn ein Händler allein kann nur wenig ausrichten, um einen Standort umfangreich zu vermarkten. Nur viele Händler gemeinsam können einen attraktiven vielfältigen Handelsstandort bilden und auch vermarkten. Leider sind viele Filialisten nicht daran beteiligt. Hier wäre ein anderes Engagement wünschenswert.

Frage:
Frage: Bitte vervollständigen Sie den Satz:
Frage: Der stationäre Einzelhandel hat Zukunft, weil ...
: ... er durch eine persönliche Atmosphäre und Gespräche authentische und individuelle Erlebnisse besser bieten kann als der Online-Handel. Die Kunden können die Waren unmittelbar erleben, d.h. anfassen, sehen, riechen, hören und gegebenenfalls auch schmecken. Und vor allem können sie sie sofort mit nach Hause nehmen.
Swantje Sagcob
Redakteurin
Sonderthemen Redaktion
Tel:
0441 9988 4661

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