Oldenburg/Wilhelmshaven/Emden - Was für ein Jahr für den Nordwesten! Zwei „Jahrhundert-Ereignisse“ geben 2012 kräftige neue Impulse für die weitere Entwicklung der Region: Vor wenigen Tagen wurde in Wilhelmshaven der Jade-Weser-Port eröffnet. Und nur kurze Zeit später ging der deutsch-niederländische Studiengang European Medical School (EMS) in Oldenburg an den Start. Von beiden Großprojekten werden erhebliche Folge-Investitionen erwartet.

Rund um den einzigen Tiefwasser-Containerhafen in Deutschland dürften sich zahlreiche Unternehmen ansiedeln, die die logistischen Möglichkeiten nutzen und Serviceleistungen rund um den Umschlag anbieten wollen. Den Anfang gemacht hat bereits der Tiefkühl-Logistiker Nordfrost aus Schortens mit einem Logistikzentrum direkt am neuen Hafen.

Und mit dem Medizinstudiengang wird die Hoffnung auf Ansiedlungen aus dem Bereich der Medizintechnik verbunden. Neue Unternehmen dürften gezielt die Nähe zur Oldenburger Forschung und Lehre suchen, die ja zudem an starke Krankenhäuser gekoppelt ist. So könnte ein neues „Cluster“ entstehen – eine regionale Zusammenballung von Branchenkompetenz.

Mit den beiden Großprojekten werden Visionen zur Realität. Hätten weit vorausschauende Persönlichkeiten vor zehn und mehr Jahren nicht eine Vision gehabt von dem, was anstrebenswert und möglich ist – der Hafen und das Medizinstudium wären in weiter Ferne oder gar kein Thema.

Dass jetzt die Umsetzung da ist, gilt als gutes Zeichen für die weitere Entwicklung. Die regelmäßigen Befragungen der Betriebe durch die Industrie- und Handelskammern in Bremen, Oldenburg, Emden und Osnabrück zeigten überwiegend eine robuste Verfassung der Wirtschaft an. Die Betriebe bleiben zuversichtlich. Oft sind sie in Nischen tätig, die nicht unmittelbar abhängig sind von der Gesamtkonjunktur – wie etwa die regional wichtige Nahrungsmittelbranche.

Allerdings wird auch deutlich: Sorgen bereiten die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise mit entsprechenden Nachfrage-Dämpfern in wichtigen Empfänger-Staaten von Produkten aus dem Nordwesten, wie Spanien oder Italien. „Konjunkturrisiko Nummer eins ist die Staatsschuldenkrise“, sagte Oldenburgs IHK-Präsident Gert Stuke dieser Zeitung. Auch Energie- und Rohstoffpreise machten zu schaffen. Aber Stuke betont auch: Die Wachstumskräfte sind „intakt“. Allein der Industrieumsatz habe im ersten Halbjahr um fast sechs Prozent zugelegt.

Große Herausforderungen sieht Stuke im Bereich Nachwuchskräfte-Sicherung. „Wir müssen der Qualifizierung noch mehr Aufmerksamkeit widmen“, appelliert er an die Betriebe. Viele junge Leute werden sich auf der „Business Plus“ nach Chancen umsehen.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)