Sande - Der Bau von Windkraftanlagen in der Nordsee sorgt seit geraumer Zeit auch für viel Flugbetrieb bei der Wiking Helikopter Service GmbH. Das 1975 gegründete Unternehmen feiert in diesen Tagen sein 40-jähriges Bestehen und ist mit inzwischen 95 Mitarbeitern – davon 27 Piloten und 27 Techniker – längst größter Arbeitgeber auf dem Jade-Weser-Airport in Mariensiel und ein wichtiges Unternehmen für den Wirtschaftsstandort Sande. Verwaltung und Bodenabfertigung stellen das weitere Personal.
1975 ursprünglich als reine Unterstützung für den Seelotsenversatz gegründet, fliegt Wiking inzwischen auch für internationale Öl- und Gasfirmen und versorgt die Offshore-Wind-Industrie mit Personal und Material. Wiking steuert die Aufbauschiffe und Umspannplattformen für zurzeit sieben Offshore-Windparks an, der weiteste ist 90 Meilen (175 Kilometer) von der Küstenlinie entfernt. Das geschieht zum überwiegenden Teil vom Standort Mariensiel aus, seit wenigen Wochen allerdings auch mit einem Helikopter, der dauerhaft auf dem Flugplatz in Emden stationiert ist, wo das Unternehmen einen Hangar gemietet hat. Insgesamt 23 000 Passagiere hat Wiking Helikopter Service im vergangenen Jahr von und zu den Windparks auf See geflogen.
Acht eigene Helikopter der Hersteller Sikorsky und Agusta gehören heute zur Wiking-Flotte, sagen die Geschäftsführer Holger Stockmeyer (Technik und Flugsicherheit) und Alexander von Plato (Verantwortlicher Leiter). Wartung und Instandhaltung der Fluggeräte erfolgen bei Wiking in Mariensiel.
Der Seelotsenversatz in der Deutschen Bucht, das meist befahrene Revier der Welt, ist auch weiterhin ein wichtiges Standbein für den Flug-Dienstleister Wiking. Dabei werden revierkundige Lotsen den Kapitänen zur Seite gestellt, die als Navigator helfen, die Schiffe in die für die Kapitäne weiniger bekannten Reviere der Elbe, Weser, Ems oder Jade zu steuern.
Für die vier Reviere gibt es rund 300 Lotsen. Wiking fliegt diese zu den Schiffen, die in das jeweilige Revier einfahren beziehungsweise holt die Lotsen mit dem Hubschrauber wieder von Bord, wenn das Schiff den Hafen beziehungsweise das Revier verlassen hat und in sicherem Fahrwasser ist.
Wiking hält in einer Kooperation mit der ADAC-Luftrettung außerdem den Notfallhubschrauber mit Piloten und Technikern für Rettungseinsätze bei den Offshore-Windanlagen vor.
Und seit sechs Jahren ist Wiking unter dem Namen Wiking Kale Air auch in der Türkei tätig: Dort wartet das Unternehmen sieben Helikopter wohlhabender Geschäftsleute und Firmenlenker. Nicht zuletzt ist Wiking auch für VIP- und andere Sonderflüge gefragt oder wird bei Havariefällen eingesetzt.
„Wir fühlen uns sehr wohl hier am Platz“, sagt Stockmeyer, „das ist ein idealer Ausgangsort für unsere Geschäfte.“ Nach wie vor gebe es Pläne, die Hangarflächen zu erweitern. Ein gutes Miteinander gebe es zudem mit den Bürgern Mariensiels. Anflug- und Abflugrouten wurden dafür auf ein Minimum reduziert.
