Die beiden Uhrmachermeister Andreas und Thomas Kunke machen sich Sorgen um die Ausbildung im Uhrmacherhandwerk. „Es müsste bundesweit eigentlich weit über 2000 Auszubildende geben, ausgebildet werden aber gerade 200“, stellt Thomas Kunke besorgt fest und erklärt: „Es gibt immer weniger Ausbildungsstätten, die in der Lage sind, auch hochwertige Uhren zu reparieren und damit eine optimale Ausbildung gewährleisten können. Diejenigen, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, sind auf dem Arbeitsmarkt sehr begehrt. Teilweise bekommen diese Uhrmacher sogar lukrative Angebote aus dem Ausland!“
Nur zwei Meisterschulen in Deutschland
Durch die geringe Zahl an Auszubildenden gibt es in Deutschland auch nur zwei Meisterschulen. Eine davon ist in Münster und auch hier wird so lange gewartet, bis eine Klasse voll besetzt ist – und das dauert in der Regel vier bis fünf Jahre. Auch Andreas und Thomas Kunke suchen aktuell noch zwei ausgebildete Uhrmacher. Gerne hätten sie die frischgebackene Kammer- und Landessiegerin Carina Körte nach ihrer Ausbildung behalten, aber hier haben private Gründe eine Rolle gespielt, dass Carina jetzt in einer Uhrmacherei in der Nähe von Köln arbeitet.
Carina hat nach ihrem Realschulabschluss für ein Jahr die Wirtschaftsschule in Rostrup besucht. Lange war sie sich nicht sicher, welcher Beruf es denn nun sein sollte. Sie machte verschiedene Praktika u.a. als Floristin und Hotelfachfrau und informierte sich gleichzeitig auch noch über andere Berufe. Technisches Verständnis, Fingerfertigkeit und dazu eine ruhige Hand, diese Voraussetzungen für einen Uhrmacher hatte und hat Carina und so ging sie kurz vor den Sommerferien 2009 nach der Schule einfach zu Kunke und fragte nach, ob noch eine Auszubildende gesucht wird. Nach einem kurzen Gespräch mit Thomas Kunke reichte sie ihre schriftliche Bewerbung ein. Nur kurze Zeit später wurde Carina zu einem viertägigen Praktikum eingeladen. Weil beide Seiten sehr zufrieden waren, wurde der Ausbildungsvertrag unterschrieben und schon zwei Wochen später, am 1. August 2009, war ihr erster Arbeitstag.
Vom Großen zum Kleinen – bis zur Meisterschaft
„Zu Anfang meiner Ausbildung habe mit dem Zerlegen einer Großuhr begonnen, natürlich unter Aufsicht und ständiger Kontrolle. Gleichzeitig wurden mir die notwendigen Fachbegriffe und einzelnen Funktionen erklärt“, erinnert sich Carina. Da sie eine sehr schnelle Auffassungsgabe hat, bekam sie schnell mit der Großuhrenabteilung ihren ersten eigenen Bereich. Dazu gehörte: Großuhren in der Werkstatt überholen, aber auch Kostenvoranschläge schreiben und auch vor Ort beim Kunden die Stand- oder Wanduhren zu reparieren. Dieses allerdings in Begleitung des Werkstattleiters Herrn Strauch. In der zweiten Hälfte ihrer Ausbildung ging es in den Bereich der Kleinuhren. Auf Grund weniger Auszubildender im Uhrmacherhandwerk war die Berufsschule nicht in der Nähe, sondern in Münster. Im praktischen Teil ihrer Gesellenprüfung musste Carina jeweils eine Quarzarmbanduhr und eine mechanische Kleinuhr auseinanderbauen, warten bzw. reparieren und wieder zusammenbauen. Dazu einmal noch einen Federkern für das Federhaus einer Uhr anfertigen. Insgesamt bestand Carina Körte die Abschlussprüfung mit einer Zwei und wurde wie erwähnt Kammer-und Landessiegerin. Neben ihrer neuen Anstellung nimmt sie jetzt am Meisterkurs in Münster teil, der jeden Sonnabend dort stattfindet.
„Meine drei Ausbildungsjahre hätten besser nicht sein können, ich fühlte mich wohl und wurde sehr respektiert. Selbst als ich bei mehrtägigem Unterricht in Münster Probleme mit der Unterkunft hatte, wurde dieses von den Gebrüdern Kunke geregelt. Sie alle haben mir verstärkt das Gefühl gegeben, dass ich mich bei meiner Berufswahl richtig entschieden habe. Toll an meinem Beruf ist auch, dass unsere Arbeit der Uhrmacher/innen nie durch Maschinen ersetzt werden kann“, so Carina Körte.
