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NWZonline.de Ratgeber Familie Tiere

Diese heilenden Hände helfen Hund und Pferd

12.10.2018

Friesoythe Mit treuem Blick schaut Hunderüde Sam in die Augen von Reinhold Garbe. Der 67-Jährige tastet seinen Patienten gerade vorsichtig an den Lymphknoten ab. Der dreijährige Rüde bleibt ruhig sitzen, vertraut Garbe. Dabei haben sich beide gerade einmal fünf Minuten zuvor auf der Auffahrt zur Praxis kennengelernt. Reinhold Garbe ist Tierheilpraktiker – und hat innerhalb kürzester Zeit eine Verbindung zu seinem tierischen Patienten aufgebaut.

Sams Besitzerin ist ratlos. Bei fast allem, was er frisst, kratzt er sich nur wenige Minuten später sein Ohr blutig, hat dazu Haarausfall. Sie habe es schon bei mehreren Tierärzten versucht, erzählt sie – ohne dauerhaften Erfolg. Nun ruhen ihre Hoffnungen auf Reinhold Garbe.

Tierliebe in der Kindheit

Der Friesoyther wuchs auf einem Bauernhof auf, bereits in seiner Kindheit drehte sich alles um Tiere. „Als Kind wollte ich Tierarzt oder Förster werden“, erzählt er. Nach der Schule studierte er dennoch Sozialwissenschaften – der Wunsch, mit Tieren zusammenzuarbeiten, blieb. Garbe entschied sich für eine mehrjährige Ausbildung zum Tierheilpraktiker an Schulen in Bremen und Hamburg, 1990 eröffnete er seine erste naturheilkundlichen Praxis für Groß- und Kleintiere.

Solche Verletzungen der Pferde behandelt Reinhold Garbe. BILD: Privat

Mit welchen Methoden arbeitet ein Tierheilpraktiker?

Tierheilpraktiker wenden alternative Heilmethoden bei Tieren an, um Krankheiten zu behandeln oder vorzubeugen. Die Berufsbezeichnung Tierheilpraktiker ist rechtlich nicht geschützt und es gibt keine geregelte Berufsausbildung. Die Kompetenzen und Fähigkeiten des Tierheilpraktikers können je nach Ausbildung sehr unterschiedlich sein.

Eine neue Methode der Behandlung ist „Dry Needling“. Mit einer dünnen Nadel wird ohne Medikamente in den Beschwerdepunkt gestochen. Die Verkrampfungen werden gelöst, die lokale Durchblutungssituation wird verbessert und die Entzündungsreaktionen werden gesenkt. „In Deutschland ist das noch nicht weit verbreitet“, sagt Reinhold Garbe.

Seit 14 Jahren hat er seine Praxis nun in Friesoythe, mit Fokus auf Pferde und Hunde. „Über die lange Zeit hat man sich einen breiten Kundenstamm aufgebaut. Es war ein steiniger Weg, aber ich bin sehr glücklich, wie es sich entwickelt hat“, sagt Garbe.

Für die Pferde ist er in ganz Deutschland, den Niederlanden, Belgien und sogar auf Zypern unterwegs. „Mindestens einmal in der Woche bin ich in den Benelux-Ländern, um meine Patienten dort zu besuchen“, sagt er. Das sei ihm, neben den Sprechzeiten in seiner Praxis, besonders wichtig. „Nur vor Ort lernt man auch die Lebensumstände der Tiere wirklich kennen, die Auslöser für Beschwerden und Krankheiten sein können“, erklärt Garbe.

Großer Druck für Pferde

Bei seinen Untersuchungen von Sam stellt der Tierheilpraktiker keine Auffälligkeiten fest: „Sein Fell sieht gut aus, seine Nase ist feucht und es ist auch keine Entzündung im Ohr zu erkennen.“ Garbes Vorschlag ist eine Entgiftung – um dem Problem dann bei der weiteren Behandlung genauer auf den Grund zu gehen.

Eine Allergie könnte ein möglicher Auslöser für die Beschwerden von Sam sein. „Häufig kommen auch Hunde zu mir, die einfach zu wenig Bewegung haben oder falsch ernährt werden“, berichtet der Tierheilpraktiker. Etwas anders ist es bei Pferden. Gerade die Turnier- und Sportpferde stünden unter einem ständigen Druck, ihr Bestes geben zu müssen. Häufiges Training und sportlicher Einsatz würden dabei oftmals zu schmerzhaften Verletzungen führen. „Wenn diese nicht behandelt und auskuriert werden, können sie die Leistungsfähigkeit des Pferdes stark einschränken“, so Garbe. „Häufig behandeln wir Beschwerden in den Sehnen, Gelenken und dem Rücken.“

Gemeinsam mit seiner Kollegin Ivonne Diekhöfer könne er einen ganzheitlichen Behandlungs- und Therapieplan erstellen. Blutegeltherapien und Homöopathie, aber auch Massagen sollen dabei auf akute und chronische Krankheitsprozesse einwirken.

Das Olympia-Pferd

Einen Patienten hat Reinhold Garbe in besonderer Erinnerung behalten. Bei einem Sportpferd waren Venenprobleme festgestellt worden, die beim Senken des Kopfes den Rückfluss des Blutes nicht mehr möglich machten. Das Karriereende des Hengstes stand bevor. „Die Mediziner hatte prognostiziert, dass dieses Pferd nie wieder an Wettbewerben teilnehmen würde“, erzählt Garbe. Der Reiter konsultierte den heute 67-Jährigen. „Ich habe hier eine Kombination aus verschiedenen Behandlungsmethoden überlegt“, berichtet Reinhold Garbe. Seine Behandlung schlug an: Drei Monate später stand das Pferd wieder auf dem Reitplatz – und ging 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an den Start. Garbe: „Das war natürlich ein ganz besonderes Gefühl.“

Beruf mit Abwechslung

Liebt die Arbeit mit Tieren: Reinhold Garbe

Überhaupt sorge sein Beruf für eine tägliche Abwechslung. „Es ist einfach toll, mit wie vielen Tieren und Menschen man durch seine Arbeit in Kontakt kommt.“ Trotz der Routine, die sich in den vergangenen Jahren eingestellt habe, werde er ständig neu herausgefordert. „Man muss sich einfach jedes Mal neu auf das Tier und auch den Besitzer einstellen.“ Und sein Wissen zur Naturheilkunde gibt er auch gerne an Interessierte weiter. „Es finden eine ganze Reihe an Seminaren zur Massage, zum Einsatz von Blutegeln und zum Gelassenheitstraining statt“, sagt er.

Die Zusammenarbeit mit Tierärzten schätzt er ebenfalls. „Es ist ein Miteinander, bei dem es einzig und allein um das Wohl der Tiere geht“, so Garbe. Und auch bei den Tieren, die der 67-Jährige behandelt, mag er Abwechslung: „Es ist mir egal, ob ich gerade ein Olympia-Pferd oder das Kaninchen von meiner Nachbarin behandle“, sagt er. „Ich mache beides liebend gerne.“ Ein Leben für und mit den Tieren.

Sönke Spille
Volontär, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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