Hannover/Lüneburg - Für Schwalben wird die Aufzucht ihrer Jungen zunehmend schwieriger. Als Gründe nennt Nabu-Sprecher Philip Foth Veränderungen in der modernen Kulturlandschaft. Die Schwalben kehren in diesen Tagen aus dem Süden zurück.

„In Niedersachsen ist die Rauchschwalbe gefährdet, die Mehlschwalbe steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste Niedersachsens und Bremens“, sagt Foth. Der Bestand der Rauchschwalben sei zwischen 1985 und 2014 von etwa 200 000 Paare auf 105 000 Paare gesunken, der Mehlschwalbenbestand sank von geschätzten 100 000 Paare auf nur noch 80 000. Der Nabu gehe davon aus, dass sich dieser negative Trend in den Jahren danach fortgesetzt hat.

„Wegen der zunehmenden Bodenversiegelung etwa durch Straßen und Gebäude fehlt es an Plätzen, wo die Schwalben Lehm als Nistmaterial sammeln können“, erklärt Foth. Als sogenannte Kulturfolger hätten sie sich an eine vom Menschen geprägte Umgebung angepasst und bauten ihre Brutplätze aus kleinen Lehmkügelchen in Ställen oder an Hauswänden. „Dafür braucht es etwa Pfützen auf geeigneten Flächen oder eben Kunstnester.“

Foth verweist in dem Zusammenhang auf die Nabu-Aktion „Schwalben willkommen“. Interessierte Bürger könnten sich daran mit Nisthilfen für Mehl- und Rauchschwalben beteiligen. „Dann wird ihr Haus mit einer Plakette als schwalbenfreundliche Unterkunft ausgezeichnet“, sagte Foth. Seit 2012 hätten 4100 Häuser diese Auszeichnung bekommen. Manch Hausbesitzer würde Schwalbennester nicht dulden und die Bauten sogar abschlagen, sagte Foth.

Die Uferschwalben litten unter dem Verbau der Gewässer und Störungen an ihren Nistplätzen in Sandgruben, auf Baustellen und an Badegewässern. Für alle Schwalbenarten sei das Insektensterben problematisch, sagt Foth. „Schwalben brauchen zur Aufzucht ihrer Jungen Insekten.“

„Schwalben willkommen“ heißt es auch beim Landkreis Lüneburg. Wer den flinken Zugvögeln dort mit einem Zuhause auf Zeit helfen möchte, kann seit 2008 an der jährlichen Aktion teilnehmen. Vogelfreunde aus der Region bieten dabei Nistplätze an ihren Häusern an und dokumentieren das samt Foto im Internet unter www.landkreis-lueneburg.de/schwalbe.

„Die Schwalbe ist vor allem durch den Menschen und die veränderten Lebensbedingungen stark gefährdet“, betont Landrat Manfred Nahrstedt. „Mit unserer Aktion wollen wir auf die Situation der Vögel aufmerksam machen und aktiv etwas zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.“ Die Teilnehmer bekommen im Herbst eine Emaille-Plakette mit der Aufschrift „Schwalbenfreundliches Haus 2019“ und ein kleines Dankeschön.

Mehr als 1200 Meldungen aus der Region und mehrere Tausend Fotos seien so seit 2008 eingegangen, sagt Kreissprecherin Isabel Wesselink. Auch habe die Aktion über den Kreis hinaus Partner gefunden. „Der Landkreis Stade macht 2019 bereits zum vierten Mal mit und nutzt ebenfalls die digitale Schwalbenplattform“, sagt Wesselink.