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Kurtaxe Nordseeinseln für Familien am teuersten

Berlin - Ost- und Nordsee locken mit weitläufigen Stränden, im Süden rufen die Berge. Deutschlands Vielfalt macht Urlaub im eigenen Land attraktiv. Doch neben Fahrt, Unterkunft und Strandkorb belasten häufig Extrakosten wie die Kurtaxe die Reisekasse. Falle die Taxe am Reiseziel pro Familienmitglied und sogar für den Hund an, könne es schnell teuer werden, berichtet die Zeitschrift Finanztest in ihrer Juli-Ausgabe. Wie groß die Unterschiede bei der Kurtaxe sind, wollten die Finanztester der Stiftung Warentester genau wissen und haben bundesweit 111 Urlaubsziele abgefragt.

Kommunale Gebühr

Für Familien am teuersten sind die Nordseeinseln. Eine vierköpfige Familie mit Kindern ab 14 Jahren und Hund zahlt auf der Nordseeinsel Juist beispielsweise für einen zweiwöchigen Strandurlaub 182 Euro zusätzlich. Die Gebühr im Ostseeband Sellin kostet noch 152,10 Euro. Hier zahlt die Familie sogar für ihren Hund. Gar keine Kurtaxe zahlt sie an zwei Orten – wenn sie Wanderungen in der Lüneburger Heide in Bispingen unternimmt oder an der Mosel in Bernkastel-Kues mit dem Rad fährt.

Die kommunale Gebühr wird in mehr als 350 Kur-, Erholungs- und Fremdenverkehrsgemeinden kassiert, so die Auskunft des Heilbäderverbands. Die 111 Orte im Finanztest-Atlas kassieren pro Tag zwischen 0 und 3,50 Euro. Wer sie nicht zahlt, dem drohen Geldbußen.

Die höchsten Kurtaxen verlangen laut der Finanztest-Umfrage die ostfriesischen Nordseeinseln Juist, Borkum und Langeoog. Hier müssen Erwachsene 3,50 Euro pro Tag ins Budget einkalkulieren. Genauso teuer sind das bayerische Bad Kissingen und Baden-Baden in Baden-Württemberg. Langeoog ist für Familien mit Schulkindern am teuersten: Kinder ab sechs Jahren zahlen 2,10 Euro und Erwachsene 3,50 Euro pro Reisetag.

Die bundesweit niedrigste Kurtaxe erhebt Bad Wilhelmshöhe: Erwachsene zahlen hier 50 Cent, Kinder nichts. Für Strandurlauber ist Fehmarn mit 1,80 Euro die preiswerteste Insel, gefolgt von Loddin auf Usedom mit 1,85 Euro.

Auf derselben Insel kann die Kurtaxe in zwei Orten unterschiedlich hoch sein, weil jede Gemeinde den Preis selbst festlegen darf. Beispiel Usedom: Macht eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern über 16 Jahren 14 Tage Urlaub in Heringsdorf, zahlt die Familie 130 Euro Kurtaxe. Das ist zweieinhalbmal so teuer wie der gleiche Aufenthalt in Zinnowitz (52 Euro). Noch billiger ist Loddin. Hier zahlt die Familie nur 48,10 Euro – eine Ersparnis von fast 82 Euro.

Die gezahlte Kurtaxe berechtigt nur zur Nutzung der Kurangebote in dem Ort, für die bezahlt wurde. Dazu gehört der jeweilige Strandabschnitt. Vor allem in der Hochsaison wird man am Strand kontrolliert, etwa in den Kaiserbädern auf Usedom. In vielen Seebädern muss die gültige Kurkarte vorgezeigt werden.

In mehr als der Hälfte der 111 befragten Orte sind Minderjährige von der Kurtaxe befreit. Das familienfreundlichste Bundesland ist Schleswig-Holstein. Hier zahlen Eltern für ihre Kinder in allen der 17 von Finanztest abgefragten Orte keine Kurtaxe. Allerdings legen hier Erwachsene drauf: Schleswig-Holstein ist im Schnitt mit 2,73 Euro das teuerste Bundesland.

Touristische Infrastruktur

Auch wenn der Begriff „Kurtaxe“ auf eine Steuer schließen lässt, handelt es sich um eine zweckgebundene Abgabe, für die es eine konkrete Gegenleistung gibt. Mit den Einnahmen finanzieren die Gemeinden die touristische Infrastruktur: saubere Strände, befestigte Wanderwege, öffentliche Toiletten, Strandduschen, aber auch Kinderbetreuung. Viele Orte bieten kostenlose Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen an.

  Die Kurtaxe auf einer Insel kann je nach Ort verschieden hoch sein, etwa auf Usedom. Mit einer günstigen Wahl sparen Sie. Vergleichen Sie vorher.  Wer seinen Hund mitnehmen möchte, sollte wissen, dass das etwa in Binz auf Rügen, Zingst, Göhren und Sellin (Mecklenburg-Vorpommern) etwas kostet.  Wer keine Kurkarte vorzeigt, darf nicht an den Strand und muss mit einer Geldbuße rechnen.

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