VOSLAPP - „Nächstes Jahr wollen wir die Anlage vollständig digitalisiert haben“, sagt Jürgen Rode, 1. Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Friesland. Gemeint ist damit die Modellbahnanlage, die seit 15 Jahren in Voslapp an der Flutstraße beheimatet ist.

Dass nicht jedes der Vereinsmitglieder ein Fan der digitalen Modellbahntechnik ist, wird deutlich, wenn man sich die Anlage genau betrachtet. Denn vor dem alten Bahnhof Jever – er stammt aus den Anfängen des vor 32 Jahren in Jever gegründeten Vereins – demonstriert eine Menschenansammlung gegen „Jever 21“. „Wir haben ja Humor“, sagt Hans Eilerts und grinst. „Eigentlich wollte ich noch ein Polizeiaufgebot mit Wasserwerfern dazustellen.“ Einen Schlichter habe man aber bisher noch nicht gebraucht.

Jeden Dienstag ab 18 Uhr treffen sich die Freunde der kleinen Eisenbahnen zum „Bastelabend“. Obwohl das Wort Basteln in Anbetracht der aufwendigen, modernen Technik untertrieben ist. „Gerade die digitale Technik ist eigentlich etwas für die ‚Generation Playstation’“, meint Andreas von Lehmden. „Die Züge werden dabei nicht wie in der analogen Technik über ein Schaltpult, sondern über den PC gesteuert.“

Die „Generation Play­station“, wie Andreas von Lehmden die Jugendlichen nennt, ist an diesem Bastelabend mit vier Jugendlichen vertreten und eifrig damit beschäftigt, die Landschaft zu gestalten. Mit Bohrmaschine und Holzkleber werden Bäume und Zäune befestigt.

Björn und sein Bruder Julian (beide 18) sowie Bastian und Tobias gehören zur achtköpfigen Jugendgruppe des 60 Mitglieder zählenden Vereins. Während sich die älteren Vereinsmitglieder für die guten alten Dampfloks begeistern oder die etwas jüngeren für Dieselloks, finden die Jugendlichen moderne Züge wie den ICE oder die Nordwestbahn spannend.

„Wir standen früher auf der Brücke Metzer Weg und haben den Dampfloks in die Schornsteine gespuckt“, erinnert sich Eilerts. „Mein Opa war Schaffner. Ich bin mit einer V 200 groß geworden“, so von Lehmden. Und weil sie ja Humor haben, haben sie sich auch schon ihr Altersheim für altgediente Eisenbahner samt Gartenbahn davor auf die Platte gebaut.

Auf der 250 Quadratmeter großen E-förmigen Anlage gibt es – neben Zügen aus allen Epochen – noch viel mehr zu entdecken. Auch einiges zum Schmunzeln. Das nächste Schaufahren findet traditionell am Ostermontag statt. Doch Interessierte und am liebsten fleißige Hände sind natürlich immer willkommen. „Gerne auch Leute, die sich mit der digitalen Technik auskennen“, sagt von Lehmden.

Denn neben der fest installierten Anlage bauen einige Vereinsmitglieder zusätzlich an Modulen, die man variabel zusammenbauen kann. Damit reisen sie dann auch zu Ausstellungen außerhalb, wie zum Beispiel nach Rostock, Lingen oder Bad Salzufflen, um nur einige zu nennen. „Dafür nehmen wir teilweise Urlaub, denn wenn die Ausstellung übers Wochenende geht, brauchen wir den Donnerstag für die Hinfahrt, Freitag zum Aufbauen und Montag für die Rückreise“, erklärt Rode.

„Eine gelbe Karte hat wohl fast jeder von seiner Familie schon bekommen“, heißt es auf die Frage nach dem Verständnis der Lieben zu Hause für das den „ganzen Kerl“ fordernde Hobby. Doch spätestens wenn die Züge durch die täuschend echt nachgebaute Miniaturlandschaft mit Burgen, Bahnhöfen, Tunneln oder Altersheimen rollen, die Dampfloks echten Dampf ausstoßen, die Türen der Nordwestbahn piepen, die E-Loks wie von Geisterhand ihre Stromabnehmer an die Oberleitungen hochfahren und die Dieselloks mit vielen Güterwagen im Schlepp über die Weichen gleiten, dann sind gelbe Karten, Differenzen mit der Familie, Abmahnungen oder Demos wieder vergessen.

Denn in der Welt der Modellbahnen ist die Welt noch in Ordnung.