WILHELMSHAVEN - Der große Bruder erzählt jetzt noch begeistert von seiner Einschulungsfeier. Und der kleine freut sich schon auf seine. Ob der mittlere der drei Söhne eine schöne Feier bekommt, ist fraglich. „Eine Ungerechtigkeit“, sagt die Mutter Maike Frank. Sie will alles daran setzen, dass auch die Erstklässler des Schuljahrs 2012/13 ihren ersten Schultag mit Eltern, Geschwistern und der ganzen Familie begehen können.
Dagegen spricht ein Erlass des Kultusministeriums und die Ferienordnung. Anders als sonst enden die Sommerferien 2012 nicht an einem Mittwoch, sondern am Freitag, 31. August. Nach den Anordnungen des Ministeriums sollen die Erstklässler im Zeitraum zwischen dem 1. September (Sonnabend) und dem 5. September (Mittwoch) eingeschult werden. Das hat Maike Frank zufällig im Internet herausgefunden.
Die Fedderwarderin fragte daraufhin in der Grundschule Sengwarden nach und erfuhr, dass die Wilhelmshavener Grundschulen sich auf den Termin am Mittwoch geeinigt hätten. „Ein Unding“, sagt sie. Denn: „Wer kann denn am Mittwoch feiern?“ Nicht nur Onkels, Tanten und vielen Großeltern werde es so unmöglich gemacht, an der Feier teilzunehmen.
Schwieriger Termin
Auch viele Eltern dürften Schwierigkeiten haben, gleich nach den Ferien schon wieder frei zu bekommen. Sie selbst ist Erzieherin. „Ich kann doch meine Kollegin nicht allein lassen, wenn in der ersten Woche nach den Ferien die neuen Kinder kommen.“
In ihrem Bekanntenkreis hat sie bereits Alarm geschlagen. Zusammen mit ihren Mitstreitern will sie erreichen, dass es auch an ihrer Schule beim gewohnten Sonnabend-Termin bleibt. Im Internet hat sie herausgefunden, dass in etlichen Städten die Schulen von der Möglichkeit Gebrauch machten, Ausnahmeanträge zu stellen und nun doch am 8. September die Schulanfänger willkommen heißen.
Nicht nur in Sengwarden wird die Schule mit diesem Wunsch konfrontiert werden. Im Christus-Kindergarten in der Innenstadt sind die Erzieherinnen auf das Problem aufmerksam geworden. Leiterin Sabine Wistuba ärgert sich vor allem über die bislang mangelhafte Information der Eltern. Die meisten wüssten noch nichts, nur deshalb gebe es bislang keinen Protest.
Das soll sich ändern. Raiko Veith will gleich am Montag in der katholischen Grundschule St. Martin nachfragen, wo sein Kind angemeldet ist. Und in Fedderwarden hat sich herumgesprochen, dass auch in Hooksiel, wo ebenfalls am Mittwoch eingeschult werden soll, Unterschriften zugunsten des Sonnabend-Termins gesammelt werden. „Warum soll das nicht auch bei uns gehen?“ fragen die Eltern.
Schulen unzufrieden
Glücklich mit dem Mittwoch sind auch die Schulen selbst nicht, wie aus Schulleiterkreisen zu vernehmen ist. Eine Abweichung von der seit Jahrzehnten gängigen Praxis, die einige Probleme mit sich bringe, wissen die Praktiker. Man habe sich jedoch gegen den ersten Sonnabend entschieden, weil der die Vorbereitungen erschwert hätte. Wann und wie sollten die älteren Schüler die aufzuführenden Stücke üben? Auf der anderen Seite sei es auch schwierig, in der Woche während des laufenden Unterrichts eine Einschulungsfeier über die Bühne zu bringen.
Warum in Wilhelmshaven nicht über die Ausnahmegenehmigung nachgedacht worden ist? Es sei den Schulleitern sehr deutlich gemacht worden, dass das nicht erwünscht sei. Immerhin gehe den Schulanfängern dann eine ganze Unterrichtswoche verloren.
