WILHELMSHAVEN - WILHELMSHAVEN - Der regionale Stellenmarkt ist undurchsichtiger denn je. Das Angebotsspektrum reicht mittlerweile vom Job mit Mehraufwandsentschädigung (im Volksmund Ein-Euro-Job genannt), über den von der Versicherungspflicht befreiten 400 Euro-Job, den versicherungspflichtigen Teilzeitjob bis hin zum – im Schwinden begriffenen – Vollzeitarbeitsplatz.
Ende des Monats Juli waren z. B. der Arbeitsagentur Wilhelmshaven noch 902 unbesetzte offene Stellen bekannt, über 400 mehr als vor einem Jahr. Was sich keiner so richtig bis in alle Einzelheiten erklären kann, auch nicht bei der Arbeitsagentur. Daraus zu schließen, dass das regionale Stellenangebot – von den Ein-Euro-Jobs einmal abgesehen – gegenüber 2004 drastisch zugenommen habe, wäre falsch.
Peter Lutz, Leiter der Arbeitsagentur, gibt zu bedenken, dass in der Statistik der noch offenen Stellen auch Angebote aufgenommen werden, die zu einem viel späteren Zeitpunkt zu besetzen sind – oder, wie schon vorgekommen, auch wieder zurückgenommen werden.
Weil über die Agentur für Arbeit lediglich 35 Prozent der Neueinstellungen abgewickelt werden, lässt sich die Statistik bzw. die Angebotsstruktur nicht verabsolutieren. Bekannt ist, dass viele Betriebe mit hoher Mitarbeiterfluktuation – und nicht nur das Baugewerbe – Namenslisten über ehemalige und potentielle Mitarbeiter führen, mit denen sie bei Neueinstellungen operieren, bevor sie sich an die Arbeitsagentur wenden. Wie das im Einzelnen funktioniert und welche Branchen das betrifft, darüber kann man nur Vermutungen anstellen.
Gewissheit gibt es allerdings über die Angebotsstruktur der Stellen, die im Juli neu gemeldet wurden. Und diese Struktur spiegelt, wie Hans-Rainer Klanke, Pressesprecher der Arbeitsagentur, bemerkt, vermutlich die allgemeine Tendenz wider.
Von den 482 Stellen, die in diesem Monat gemeldet wurden, kamen acht aus der Land- und Forstwirtschaft, 15 aus dem produzierenden und 27 aus dem Baugewerbe. Der überwiegende Teil, 429 Stellen, war dem Dienstleistungsgewerbe zuzuordnen.
„Rein und raus“ gehe es auf dem Dienstleistungssektor, sagt Klanke, eine Einschätzung, die durch 556 Arbeitslosmeldungen gestützt wird, die im Juli im Dienstleistungsgewerbe registriert wurden. Im produzierenden Gewerbe standen den 15 neuen Stellen gar 167 Arbeitslosmeldungen gegenüber. Gleichwohl sieht die IG-Metall-Bevollmächtigte Evelyn Gerdes die Lage im produzierenden Gewerbe als stabil an, wenn auch auf vergleichbar niedrigem Niveau.
Schwierig ist die Situation für Auszubildende. IG-Metall-Bildungsbeauftragter Peter Anders beobachtet zunehmend, dass selbst dort, wo nach der Ausbildung Angebote auf eine befristete Übernahme gemacht werden, sich junge Leute nach einer Ausbildung lieber gleich zum Studium anmelden, statt ein Jahr am Arbeitsplatz dranzuhängen, um danach arbeitslos zu werden.
Eine Ausnahme sei EADS in Varel (Airbus). Dort würden vereinzelt junge Leute nach der Ausbildung sogar unbefristet übernommen. Ansonsten habe sich der Trend verstärkt, Jugendliche nach der Ausbildung nicht zu übernehmen.
Ein schwieriges Terrain ist auch der Dienstleistungssektor. Hier spielte der Handel im Juli mit 91 Stellenangeboten gegenüber dem Bereich Finanzierung/Vermietung/Unternehmensdienstleistungen (182) und den öffentlichen und privaten Dienstleistern (156) nur die dritte Geige. Was, wie Kenner des Wirtschaftslebens meinen, die zunehmende Praxis größerer Firmen widerspiegelt, bestimmte Dienstleistungen zu für sie günstigeren Konditionen auszulagern.
